Politik

Menschen weiterhin ausfliegen Lambsdorff fordert Verhandlungen mit Taliban

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Alexander Graf Lambsdorff spricht sich für einen Untersuchungsausschuss zum politischen Handeln in Afghanistan aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Da die Taliban kontrollieren, wer Afghanistan aktuell verlassen darf, müsse die Bundesregierung mit den Islamisten verhandeln, fordert FDP-Fraktionsvize Lambsdorff. Zudem erwartet er die Aufklärung der Versäumnisse von Politik und Geheimdiensten.

Für FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff sind Verhandlungen mit den Taliban unumgänglich, wenn die Bundesregierung weiter Menschen aus Afghanistan herausholen will. "Die Taliban kontrollieren de facto, wer das Land verlassen darf. Es führt deshalb leider kein Weg daran vorbei, mit den Taliban zu reden", sagte Lambsdorff der "Rheinischen Post" und dem Bonner "General-Anzeiger". Ziel müsse sein, "Deutschen und Ortskräften eine sichere Ausreise per Charter- oder Linienflug zu ermöglichen".

Geregelte Ausreisen auf dem Landweg hätten die Taliban "so gut wie ausgeschlossen", sagte der FDP-Außenpolitiker den Blättern. Er machte die Bundesregierung mitverantwortlich für das jetzige Fiasko in Kabul. "Diese dramatische Situation ist vor allem deshalb entstanden, weil die Bundesregierung die Visaverfahren für die Ortskräfte lange verzögert hat und die Evakuierungsmission zu spät gestartet hat."

Lambsdorff sprach sich weiter für einen Untersuchungsausschuss des Bundestages aus, der klären müsse, "wo die Verantwortlichkeiten oder Versäumnisse der Nachrichtendienste und der Bundesregierung liegen". Der deutsche Auslandsgeheimdienst BND habe "immer sehr deutlich gewarnt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Taliban nach einem Abzug der NATO wieder an die Macht kommen. Unklar ist, warum die letzten Äußerungen einen ganz anderen Eindruck vermittelt haben", erklärte der FDP-Politiker.

Lambsdorff plädierte für eine Trendwende in der deutschen Außenpolitik. "Der Afghanistan-Einsatz hat gezeigt, dass wir einen vernetzten Ansatz in der Außenpolitik brauchen und uns nicht im Klein-Klein der Ministerien verstricken dürfen." Deutschland müsse sich endlich für eine echte europäische Außenpolitik einsetzen und das Einstimmigkeitsprinzip im Rat abschaffen.

Quelle: ntv.de, als/AFP

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