Politik

Bundestag gedenkt Berlin-Attentat Lammert fordert von Muslimen Selbstkritik

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Das Plenum des Bundestages war zur Gedenkstunde gut besetzt.

(Foto: REUTERS)

Der Bundestag gedenkt der Opfer des Terroranschlags vor einem Monat. Bundestagspräsident Lammert lobt die Reaktion der Deutschen - auch der deutschen Muslime. Diese sollten allerdings mehr über das Verhältnis von Religion und Gewalt debattieren.

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Muslime in Deutschland gut einen Monat nach dem islamistischen Anschlag von Berlin zur Auseinandersetzung mit ihrer Religion aufgefordert. Als Staat, der Religionsfreiheit als Menschenrecht garantiere, "dürfen und müssen wir die Auseinandersetzung der Muslime mit ihrer Religion und dem verhängnisvollen Zusammenhang von Glaube und fanatischer Gewalt mit Nachdruck einfordern", sagte der CDU-Politiker in einer Gedenkrede im Bundestag. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime habe dies nach dem Anschlag beispielhaft getan. "Auch das verdient Respekt und Anerkennung."

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Lammert bei seiner Rede im Bundestag.

(Foto: dpa)

Zugleich warnte Lammert eindringlich davor, dass Menschen wegen "ihrer Herkunft oder Religion in Sippenhaft genommen werden für terroristische Gewalt, vor der sie vielfach selbst geflohen sind". Der Attentäter Anis Amri habe sich als Muslim und Soldat der Terrormiliz Islamischer Staat verstanden und als Flüchtling ausgegeben. "Beides können wir nicht übersehen - gerade weil wir uns zur religiösen Vielfalt, zur weltoffenen Gesellschaft und zu unseren humanitären Verpflichtungen bekennen", sagte der Bundestagspräsident.

"Jeder von uns ist gemeint"

Lammert verlangte die Bekämpfung islamistischen Gedankenguts mit aller rechtsstaatlicher Härte und auch in der politischen Auseinandersetzung. "Terror ist nie religiös, Terror ist politisch - und die Antwort darauf muss auch politisch sein." Zugleich unterstrich er: "Wir bekämpfen nicht den Islam, sondern Fanatismus, nicht Religion, sondern Fundamentalismus." Dies gelte unter dem Eindruck des Terrors in Deutschland genauso wie nach den Anschlägen in den europäischen Nachbarländern.

Gut vier Wochen nach dem Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz nahm auch Bundespräsident Joachim Gauck an der Gedenkstunde im Reichstag teil. Die Abgeordneten erhoben sich zu einer Schweigeminute. Lammert verwies darauf, dass sich unter den zwölf Todesopfern auch Menschen aus Polen, der Ukraine, Italien, Tschechien und Israel befanden. Er sagte: "Jeder von uns ist gemeint, jeder von uns ist betroffen."

Lammert lobte: "Die Bevölkerung reagiert mit bemerkenswerter Besonnenheit auf den Terror." Dadurch werde der Terror selbst untergraben: "Terror zielt darauf ab, demokratische Gesellschaften zu erschüttern, zu lähmen, zu destabilisieren. Dieses Ziel haben die Terroristen in Deutschland nicht erreicht."

Quelle: n-tv.de, shu/AFP/dpa

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