Politik

Kritik an Astrazeneca-Stopp Lauterbach: Nutzen überwiegt Risiko

Die Entscheidung der Regierung, Impfungen mit Astrazeneca vorerst zu stoppen, stößt bei SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach auf Kritik. Zwar seien die Gehirnthrombosen wahrscheinlich auf den Impfstoff zurückzuführen, der Nutzen des Präparats sei aber deutlich größer.

Der vorläufige Stopp von Impfungen mit Astrazeneca sorgt für Kritik von SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Die Entscheidung, die auf eine Empfehlung des Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zurückgeht, "schafft nur große Verunsicherung und Misstrauen in einer Situation, in der es auf jede Impfung ankommt", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post".

Anlass für die Empfehlung des PEI waren Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Präparat. Das PEI will die Fälle nun genauer untersuchen. Lauterbach sagte bei ntv, es werde sich hoffentlich um eine ganz kurze Prüfung handeln. "Wenn der Impfstoff dauerhaft nicht zur Verfügung stehen sollte, was ich jedoch nicht glaube, wäre die Impfstrategie über die Hausärzte ernsthaft gefährdet."

In Deutschland wurden bisher 1.6 Millionen Menschen mit dem Vakzin der schwedisch-britischen Firma geimpft. Die Aussetzung des Impfstoffs von Astrazeneca in Deutschland geht nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf sieben Krankheitsfälle zurück. "Es geht um ein sehr geringeres Risiko - aber falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko", hatte der CDU-Politiker gesagt. In Deutschland wurde umgehend Kritik an der Entscheidung laut.

Lauterbach schrieb auf Twitter, der Schritt sei "auf der Grundlage der vorliegenden Daten" ein Fehler: "In der jetzt Fahrt aufnehmenden 3. Welle wären die Erstimpfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff Lebensretter."

"Wahrscheinlich auf Impfstoff zurückzuführen"

Der SPD-Gesundheitsexperte geht davon aus, dass die aufgetretenen Gehirnthrombosen mit "großer Wahrscheinlichkeit" auf den Astrazeneca-Impfstoff zurückzuführen seien. Dies treffe auch Jüngere ohne Risikofaktoren. Weil aber das Risiko bei nur etwa 1:250.000 liege, überwiege der Nutzen gerade für Ältere, bei denen die Erkrankung mit dem Coronavirus häufig tödlich verlaufe, sagte Lauterbach in der ARD.

Man müsse den Nutzen der Impfungen für die gesamte Gesellschaft stärker in den Vordergrund stellen. "Wir müssen uns überlegen, wie schnell wollen wir das hier bewältigen. Und die Impfungen sind für uns der Königsweg", so Lauterbach.

Trotz des Aussetzens von Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin, glaubt Lauterbach, dass bis Ende September jedem Deutschen, der wolle, ein Impfangebot gemacht werden könne. Seiner Meinung nach sei dieses Versprechen der Bundesregierung zu halten. Er glaube, dass der Impfstoff bald wieder eingesetzt werden könne und auch das Vertrauen wieder aufgebaut werde, sagte er ebenfalls in der ARD.

Quelle: ntv.de, cls/dpa/AFP/DJ

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