Politik

Neuauflage von Duell mit Macron? Le Pen greift wieder nach der Macht

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14 Monate vor der Wahl könnten die Chancen der 52-Jährigen kaum besser stehen.

(Foto: picture alliance / abaca)

Die französische Gesellschaft ist polarisiert. Corona-Krise und Islamismus-Debatte geben einer alten Bekannten neuen Aufschwung: Marine Le Pen. Die Rechtsaußen-Politikerin träumt bereits vom Präsidentenpalast. Viele befürchten einen erneuten Zweikampf mit Präsident Macron.

"Wenn ich Präsidentin der Republik bin" - dieser Satz geht Marine Le Pen inzwischen leicht über die Lippen. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise mit ihren schweren wirtschaftlichen und sozialen Folgen sieht Frankreichs Rechtspopulistin ihre Chancen steigen, doch noch den Élyséepalast zu erobern. Gewählt wird in 14 Monaten. Und die Chefin der Rechtsaußenpartei Rassemblement National (RN/früher: Front National) ist bereits Kandidatin.

Nach ihrer schweren Schlappe gegen Emmanuel Macron bei der Wahl vor knapp vier Jahren scheute die 52-Jährige den direkten Schlagabtausch mit politischen Kontrahenten. Diese Zurückhaltung ist nun vorbei. Am Donnerstagabend debattierte sie mit Innenminister Gérald Darmanin im TV-Sender France 2 vor allem über ein neues Gesetz gegen den radikalen Islamismus. Der Schlagabtausch mit dem mächtigen Ressortchef verlief hart in der Sache, artete aber nicht in eine Schlammschlacht aus.

Das Rennen hat begonnen

Regierungssprecher Gabriel Attal sprach schon vor der Debatte von einem "Augenblick der Wahrheit". Manche meinen, das Rennen um den Präsidentenjob habe begonnen. In der Tat gibt es viel Bewegung in politischen Lagern, vieles bleibt aber hinter den Kulissen. Die Coronavirus-Pandemie, die in Frankreich über 80.000 Tote forderte, beherrscht weiter die Schlagzeilen und bewegt die Menschen. Amtsinhaber Macron ist als Krisenmanager gefordert. "Wir sind mitten in der Schlacht. Und mitten in der Schlacht muss man kämpfen", sagte der 43-Jährige unlängst mit Blick auf die Corona-Impfungen.

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Le Pen und Darmanin lieferten sich einen hitzigen Schlagabtausch.

(Foto: picture alliance/dpa/AFP)

Der einstige Senkrechtstarter ist bisher nicht offizieller Kandidat für die Wahl. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass der frühere Investmentbanker wieder antritt, zumal seine ehrgeizige Reformagenda wegen der vielen Krisen noch lange nicht abgearbeitet ist. So rechnet in Paris kaum noch jemand damit, dass die Rentenreform, ein Prestigeprojekt Macrons, bis zur nächsten Wahl abgeschlossen werden kann.

Viele erwarten - und fürchten - eine Neuauflage des Zweikampfs zwischen Macron und Le Pen. Die Polarisierung scheint unausweichlich. Der Vorsitzende der konservativen Les Républicains, Christian Jacob, mokierte sich bereits, die beiden Toppolitiker würden nach außen hin ein Duell vorbereiten, im Grunde aber im Duo tanzen. "Emmanuel Macron ist überzeugt, dass ihm die ablehnende Haltung gegenüber Marine Le Pen den Sieg bringen wird", formulierte Jacob in der Zeitung "Le Figaro".

Umfrage sieht Vorteil für Le Pen

Die gelernte Anwältin Le Pen könnte in der ersten Wahlrunde vor Macron sogar in Führung gehen und damit eine Pole-Position für die entscheidende Endrunde einnehmen - das ergab eine unlängst veröffentlichte Umfrage des Instituts Harris Interactive. Mit Blick auf das erwartete Endduell Le Pen-Macron kursieren Spekulationen, wonach es dieses Mal ganz knapp werden könnte. Noch vor vier Jahren hatte Europafreund Macron seine Widersacherin mit einer Mehrheit von über 66 Prozent geschlagen. Nun meint Le Pen bereits, die Annahme ihres Sieges sei plausibel.

Andere Politstars bleiben nicht tatenlos. Der kantige Ex-Minister Xavier Bertrand, der seine Wurzeln bei der bürgerlichen Rechten hat, bekommt gute Umfragewerte und steht in den Startlöchern. Auch die wiedergewählte Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo von den Sozialisten verhehlt nicht mehr ihre Ambitionen für die nationale Politik. Und für die Grünen, die bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr mit Verbündeten überraschend stark abgeschnitten und mehrere große Rathäuser im Land erobert hatten, könnte die Europaabgeordnete Yannick Jadot ins Rennen gehen.

Es dürfte in der heißen Phase wieder Überraschungen geben, die keiner kalkulieren kann. 2017 verpasste der chancenreiche konservative Anwärter François Fillon wegen einer Affäre um Scheinbeschäftigung den Einzug in die zweite Runde. Das Rennen um die Macht gewann schließlich Macron - als Neuling und Außenseiter. Er war quasi aus dem Nichts gekommen.

Quelle: ntv.de, Christian Böhmer, dpa

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