Politik

Verlegung nach Verurteilung Nawalny gibt Lebenszeichen aus hartem Straflager

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Alexej Nawalny wurde Anfang Juni in einem Gerichtssaal in Wladimir per Videoverbindung aus dem Gefängnis zugeschaltet.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Seine Familie und Unterstützer machen sich Sorgen um Nawalny, nachdem sie den Kontakt zu ihm verlieren. Auf Instagram meldet sich der Kreml-Kritiker aus der Strafkolonie 6 in Melechowo zurück, in die er verlegt wird. Seine Sprecherin befürchtet, dass er dort in Lebensgefahr schwebt.

Der gerade erst zu neun Jahren Haft verurteilte Kremlgegner Alexej Nawalny ist nach eigenen Angaben in ein Straflager mit härteren Bedingungen als bisher verlegt worden. Er sei in die Strafkolonie 6 in Melechowo nahe der Stadt Kowrow verlegt worden und befinde sich gerade in Quarantäne, teilte der 46-Jährige in einer Instagram-Story mit. Zuvor hatten sich Angehörige, Mitarbeiter, Freunde und Unterstützer Sorgen über den Verbleib des schärfsten Gegners von Kremlchef Wladimir Putin gemacht.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch sagte am Vortag, sein Leben sei in Gefahr. Der Anwalt des prominenten Anti-Korruptionskämpfers hatte im Straflager in Pokrow keine Auskunft dazu bekommen, wohin der Oppositionsführer verlegt worden war. Nun habe auch der Anwalt Nawalny in dem Straflager gesehen, sagte Jarmysch. Das Lager mit besonders harten Haftbedingungen liegt rund 150 Kilometer weiter entfernt von der Strafkolonie Pokrow. Das sind etwa 260 Kilometer nordöstlich von der russischen Hauptstadt Moskau.

Der Machtapparat tue alles, um den Kontakt der Anwälte und der Familie zu Nawalny zu erschweren, sagte Jarmysch. Im Mai hatte ein Gericht die neunjährige Haftstrafe gegen Nawalny wegen angeblichen Betrugs bestätigt. Damit wurde die Verlegung in ein Straflager mit härteren Haftregeln rechtskräftig. In russischen Haftanstalten für Schwerverbrecher dürfen die Insassen seltener Angehörige treffen, Päckchen und Briefe empfangen oder zum Ausgang an die frische Luft. Er könne in dem brutalen Straflagersystem getötet werden, hatte Jarmysch gesagt mit Blick auf den Giftanschlag auf Nawalny im August 2020. Nawalny, der nur knapp überlebte, macht Putin für das Attentat verantwortlich.

Ende Mai hatte Nawalny selbst über eine neue Anklage der russischen Justiz informiert. Diesmal gehe es um Extremismus und ein Strafmaß von möglichen weiteren 15 Jahren Haft. Zuvor war in Russland seine Anti-Korruptions-Stiftung als extremistisch eingestuft worden. Mit seinen Enthüllungen über Korruption und Machtmissbrauch im russischen Staatsapparat hat er sich viele Feinde gemacht. Bisher endete jede Anklage gegen den bekanntesten Gegner Putins mit einem Schuldspruch.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 15. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, lve/dpa

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