Politik

Wo sind Russlands Tote? Leichenhallen in Belarus sind wohl überfüllt

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"Cargo 200" steht auf dem russischen Militärfahrzeug. Mit diesem Begriff wird der Transport von im Krieg Gefallenen in die Heimat bezeichnet.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Wie hoch sind Russlands Verluste im Ukraine-Krieg? Darüber will man im Kreml nicht sprechen. Doch die hohe Zahl der Toten lässt sich nur schwer verstecken. Laut Medienberichten sind einige Krankenhäuser und Leichenhallen in Belarus überfüllt mit russischen Soldaten. Augenzeugen sprechen von "unglaublich vielen Toten".

Mindestens 12.000 russische Soldaten sind nach ukrainischen Angaben seit Kriegsbeginn getötet worden. Doch was passiert mit ihren Leichen? Da die offenbar hohen Verluste im Kreml geleugnet werden, wandte sich die Regierung in Kiew bereits am 26. Februar an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz mit der Bitte, die Leichen der russischen Soldaten nach Russland zu transportieren. In den ersten Tagen des Krieges gab es auch Berichte, wonach die Toten in mobilen Krematorien verbrannt werden, damit sie nicht nach Russland zurückgebracht werden müssen. Diese Angaben ließen sich jedoch nicht überprüfen.

Wie Russland mit seinen Toten und Verwundeten umgeht, ist unklar. Doch zumindest ein Teil davon wird laut einem Medienbericht in das Nachbarland Belarus transportiert. Wie der Sender Radio Liberty unter Berufung auf Einwohner mehrerer belarussischer Städte unweit der ukrainischen Grenze berichtet, sind die dortigen Krankenhäuser und Leichenhallen mit russischen Militärangehörigen überfüllt.

Demnach mussten viele Ärzte Geheimhaltungsverträge unterzeichnen, ihnen wurde mit Entlassung gedroht, falls sie mit der Presse sprechen. Einheimische sagen laut dem Bericht jedoch, dass der Zustrom von Toten und Verwundeten so groß ist, dass ein Krankenhaus in der Stadt Masyr die Aufnahme von Belarussen beschränken musste.

Augenzeugen: Tote werden in Masyr auf russische Züge verladen

Mehrere Einwohner der Stadt, die rund 50 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt, wollen zudem gesehen haben, wie die toten russischen Soldaten auf Züge der russischen Eisenbahn verladen wurden. "Es gab unglaublich viele Leichen", erzählte ein Einwohner Radio Liberty. Die Passagiere auf dem Bahnhof seien schockiert gewesen. Einige haben angefangen, Videos zu drehen, das Militär habe ihnen aber befohlen, die Aufnahmen zu löschen, heißt es im Bericht.

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Die Satellitenaufnahme zeigt militärische Fahrzeuge auf dem Flugplatz Bokov. Im nahe liegenden Dorf Kamenka werden laut einem Augenzeugen möglicherweise russische Soldaten begraben.

(Foto: picture alliance/dpa/Satellite image ©2022 Maxar Technologies/AP)

Wie der Mann weiter erzählt, wurde im Dorf Kamenka bei Masyr ein Friedhof abgesperrt. "Niemand durfte ihn betreten und es wurden Wachen aufgestellt. Wahrscheinlich werden dort die Russen begraben. Zumal sich in der Nähe von Kamenka, in Bokov, ein Flugplatz und ein Militärstützpunkt der Russen befindet", erklärte der Einwohner von Masyr.

"Die Leichen verrotten, stinken und werden dann weggebracht"

Laut dem Bericht werden die verletzten russischen Soldaten auch in mehreren Krankenhäusern in Gomel behandelt. Die Einwohner der zweitgrößten belarussischen Stadt erzählten demnach, dass die Verwundeten in Bussen mit abgeklebten Fenstern nach Belarus gebracht werden. Die Getöteten werden demzufolge mit Militärlastwagen zum Flughafen transportiert und von dort aus nach Russland geflogen. Am Samstag veröffentlichte Radio Liberty auf Instagram ein Video, auf dem eine Kolonne von russischen Krankentransportern im Zentrum von Gomel zu sehen ist.

Von überfüllten Leichenhallen im Süden von Belarus berichtete vor wenigen Tagen auch die BBC. Auf den Straßen von Masyr seien auffällig viele Militärangehörige - vermutlich aus Tschetschenien - und Autos mit russischen Kennzeichen zu sehen, schrieb die BBC auf ihrem russischsprachigen Telegram-Kanal. Im dortigen Leichenhaus "werden die Toten nicht einmal in einem Kühlraum, sondern in einem einfachen kleinen Raum gelagert. Sie verrotten, stinken und werden dann weggebracht", sagte eine mit dem Personal des Leichenhauses vertraute Quelle dem Sender.

Auch der ukrainische Generalstab geht davon aus, dass eine große Anzahl russischer Soldaten in belarussischen Krankenhäusern behandelt wird. Es gebe nicht genügend Blutkonserven für Operationen, hieß es in einem auf Facebook veröffentlichten Bericht des Generalstabs. Demnach werden etwa zwei Drittel der für die belarussichen Bürger angesammelten Reserven für den Bedarf des russischen Militärs verwendet.

Quelle: ntv.de

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