Politik

Neue Kämpfe in Tripolis Libyen bittet Vereinte Nationen um Hilfe

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Brutale Kämpfe in einer Millionenmetropole: Tripolis fürchtet um "das Leben und der Besitz von Zivilisten".

(Foto: Mohamed Ben Khalifa)

Seit einer Wochen toben im Süden der libyschen Hauptstadt Tripolis neue Kämpfe. Trotz der vereinbarten Waffenruhe fallen den Gefechten rivalisierender Milizen mehr als 100 Menschen zum Opfer. Libyens Regierung ruft nach Hilfe.

Die international anerkannte Regierung von Libyen hat die Vereinten Nationen um Beistand gegen die anhaltende Gewalt in der Hauptstadtregion Tripolis gebeten. Die Staatengemeinschaft müsse "konkrete und effektive" Maßnahmen gegen die Kämpfe ergreifen, damit "das Leben und der Besitz von Zivilisten" geschützt werden könne, erklärte die Regierung der Nationalen Einheit. Die UN-Mission in Libyen (Unsmil) müsse dem UN-Sicherheitsrat "die Realität der blutigen Vorkommnisse in Libyen vor Augen führen."

Bereits Anfang der Woche waren die Kämpfe im Süden von Tripolis erneut aufgeflammt. Anhänger der mit der Regierung verfeindeten Milizen hatten am 26. August die Außenbezirke der Küstenstadt angegriffen. Daraufhin hatten die UN eine Feuerpause vermittelt, die aber immer wieder gebrochen wurde. Die neuerlichen Gefechte seien eine Operation, um "Fremde und Kriminelle" aus der Hauptstadt zu vertreiben, erklärte ein Sprecher der in Tripolis herrschenden Milizen, die mit der international anerkannten Einheitsregierung verbündet sind.

Unmittelbar vor dem Wochenende waren bei Zusammenstößen 15 Menschen getötet und dutzende verwundet worden, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums mitteilte. Damit sei die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Kämpfe in den südlichen Vororten der Hauptstadt ist mittlerweile auf mehr als 100 gestiegen. Rund 450 weitere Menschen wurden nach Angaben der Einheitsregierung bei Kämpfen verletzt.

"Katastrophal und sehr gefährlich"

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sei "beunruhigt von der steigenden Anzahl von Verletzungen der Waffenruhe", erklärte sein Sprecher. Guterres rief die Milizen dazu auf, den Waffenstillstand zu respektieren und von "jeglichen Handlungen, die das Leid der Zivilbevölkerung verschlimmern würden, abzusehen."

Auch der Vorsitzende der staatlichen Ölgesellschaft NOC, Mustafa Sanalla, appellierte an die rivalisierenden Milizen, die Kämpfe im Süden der Hauptstadt umgehend zu beenden. Die Situation sei "katastrophal und sehr gefährlich". Durch die Kämpfe seien mehrere Öllager nicht mehr in Betrieb. Die Versorgung der Hauptstadt sei nicht mehr gewährleistet.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bezeichnete die Situation in Libyen als desolat. Der einzig verbliebene internationale Flughafen der Stadt bleibt nach Angaben der libyschen Luftfahrtbehörden wegen der Kämpfe vorerst geschlossen. Die Versorgungslage der libyschen Metropole dürfte sich erst verbessern, wenn die Gefechte abflauen und die Sicherheit wieder gewährleistet werden kann.

In Libyen herrscht seit dem von der Nato unterstützten Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos und Unsicherheit. Bewaffnete Milizen kontrollieren weite Teile des nordafrikanischen Landes. In der östlich gelegenen Hafenstadt Bengasi herrscht der abtrünnige General Chalifa Haftar mit einer international nicht anerkannten Gegenregierung.

Ganze Landstriche zwischen den Fronten dienten zeitweise IS-Kämpfern als Rückzugsgebiet an der Mittelmeerküste. In Libyen floriert das Geschäft mit dem Menschenschmuggel: Durch das Land läuft eine der wichtigsten Fluchtrouten in Richtung Europa. Vor der Küste operieren auch Kriegsschiffe der Bundeswehr, um im Rahmen der EU-Mission "Sophia" Schleusern das Handwerk zu legen und in Seenot geratene Menschen zu retten.

Quelle: ntv.de, lle/AFP/dpa