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Kein Geschäftsvisum wegen Haft London düpiert Ai Weiwei

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Sein Visa postete Ai auf Instagram.

(Foto: Screenshot / instagram.com/aiww)

Dass Ai Weiwei vor Jahren in China im Gefängnis saß, ist bekannt. Erst jetzt darf er auch wieder reisen und ist gerade in Deutschland. Großbritannien verweigert ihm allerdings das gewünschte Geschäftsvisum. Die Begründung ist zweifelhaft.

Unter Hinweis auf seine Inhaftierung vor vier Jahren hat Großbritannien dem chinesischen Künstler Ai Weiwei ein sechsmonatiges Geschäftsvisum verweigert und ihm nur einen dreiwöchigen Aufenthalt erlaubt. In dem Ablehnungsschreiben, das der Regimekritiker auf dem Fotodienst Instagram veröffentlichte, wird ihm vorgeworfen, im Visumantrag falsche Angaben über seine bisherige Straffälligkeit gemacht zu haben. "Es ist öffentlich bekannt, dass Sie früher eine kriminelle Verurteilung in China erhalten haben", heißt es darin.

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Auch das Schreiben der Botschaft veröffentlichte er.

(Foto: instagram.com/aiww)

Chinas berühmtester zeitgenössischer Künstler hob hingegen in einer Reaktion hervor, "niemals wegen eines Verbrechens angeklagt oder verurteilt worden" zu sein. Er war 2011 am Pekinger Flughafen festgenommen worden. Dann wurden der Firma "Fake Design", die sein Studio betreibt, Wirtschaftsvergehen vorgeworfen. Es gab allerdings keinen Prozess. Zudem ist der 57-Jährige nicht Inhaber der Firma, konnte also auch nicht für deren Vorgehen belangt werden.

Der Firma, die seiner Frau gehört und Ai als Angestellten führte, war im Jahr danach in einer Auseinandersetzung mit den Steuerbehörden eine Strafe von 2,4 Millionen Dollar (umgerechnet rund 2,2 Millionen Euro) verhängt worden. Nach 81 Tagen in Haft an einem unbekannten Ort kam er wieder auf freien Fuß. Seither war sein Pass einbehalten worden, den er erst vor einer Woche zurückerhalten hatte.

Landung in München

Inzwischen ist Ai in Deutschland. Der 57-Jährige ist an Bord einer Lufthansa-Maschine auf dem Münchner Franz-Josef-Strauß-Flughafen gelandet. Den dort wartenden Journalisten sagte der in Peking gestartete Ai, er habe "derzeit keine Pläne". Er wolle seinen in Berlin lebenden sechsjährigen Sohn nicht warten lassen, der gekommen sei, um ihn am Flughafen abzuholen. Er habe ihn "jahrelang nicht mehr gesehen.

Nach einigen Treffen und einem Arztbesuch in München werde er "in ein paar Tagen" nach Berlin reisen, sagte Ai. Auch eine Reise nach London sei nicht ausgeschlossen, falls er dafür ein Visum bekomme. Den Münchner Flughafen verließ er in Begleitung seines Sohnes.

In Berlin könnte Ai an der Universität der Künste (UdK) eine von der Einstein-Stiftung finanzierte, dreijährige Gastprofessur antreten. Die Stelle stehe nach wie vor für Ai bereit und könne wenn nötig schon zum kommenden Wintersemester anlaufen, hatte ein UdK-Sprecher gesagt.

Nach eigenen Angaben versuchte Ai Weiwei, den Sachverhalt in Telefonaten mit der britischen Botschaft und den Einreisebehörden zu klären. "Aber die Vertreter bestanden darauf, dass ihre Quellen korrekt seien, und lehnten es ab, eine Fehlentscheidung einzuräumen", hieß es in der Mitteilung des Künstlers.

Ausstellungseröffnung in London

In den Gesprächen habe die britische Seite vielmehr auf die Nachrichten über seine Festnahme und die Steuervorwürfe gegen die Firma verwiesen. Der Künstler wollte zur Eröffnung seiner Ausstellung in der Royal Academy of Arts vom 19. September bis 13. Dezember nach London reisen. Ob er an der Veranstaltung teilnehmen wird, wurde jetzt infrage gestellt: "Ai Weiwei könnte nicht in der Lage sein, an der Installation der Ausstellung und der Eröffnung teilnehmen", hieß es unter Hinweis auf die Visumprobleme. Ihm seien seine Rechte als einfacher Bürger verweigert worden, hieß es weiter.

Auch stellt sich London nach seiner Darstellung auf Pekings Seite: Mit dieser Entscheidung "wird die Position jener eingenommen, die Menschenrechtsverteidigern Leid zugefügt haben". Sein Studio bestätigte auf Anfrage die Angaben auf Instagram, wollte aber noch nicht sagen, was Ai Weiwei jetzt tun wird.

Die britische Botschaft in Peking reagierte nur mit einem Hinweis auf eine Stellungnahme des Londoner Innenministeriums: "Alle Anträge werden individuell und im Einklang mit jeweiligen Gesetzen entschieden." Auch wurde darauf verwiesen, dass Ai Weiwei ein Visum für die "ganze Zeitdauer" zwischen den Reiseterminen gewährt worden sei, die er in seinem Antrag angegeben habe. In dem Schreiben der Einreisebehörden wurde ferner darauf verwiesen, dass damit trotz seiner falschen Angaben im Visumantrag "eine Ausnahme gemacht worden ist".

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/AFP

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