Politik

Opfer rechten Anschlags geehrt Lübcke-Sohn spricht über Leid der Familie

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Lübcke sprach vor großen Porträtbildern seines Vaters im Hintergrund.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor einem halben Jahr wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke von einem Rechtsextremisten ermordet. Posthum ehrt das Land Hessen Lübckes Einsatz für die Demokratie. In einer bewegenden Rede spricht erstmals sein Sohn Jan-Hendrick öffentlich über den Anschlag.

Schwarzes Sakko, schwarze Krawatte: Jan-Hendrik Lübcke besucht eine Preisverleihung für seinen Vater. Doch der groß gewachsene Mann trägt Trauer, zum Feiern ist ihm nicht zumute. Sein Vater Walter Lübcke ist tot. Vor einem halben Jahr wurde der 65-Jährige plötzlich aus dem Leben gerissen. Mitten in der Nacht wurde er auf der Terrasse seines Hauses mutmaßlich von einem Rechtsextremisten erschossen.

"Unser Vater fehlt uns allen sehr", sagt Lübcke mit zitternder Stimme und kämpft auch im Folgenden immer wieder mit den Tränen. "Man kann kaum ermessen, was einem angetan wird, wenn der eigene Ehemann, der eigene Vater und Opa erschossen wird."

Jan-Hendrik Lübcke spricht in Wiesbaden, weil er für seinen Vater die Wilhelm-Leuschner-Medaille entgegennimmt - zusammen mit seiner Mutter, der Witwe Irmgard Braun-Lübcke, und seinem Bruder Christoph. Es ist die höchste Auszeichnung des Landes Hessen. Sie wird verliehen für den Einsatz für Demokratie, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Erstmals in der Geschichte das Preises wird er posthum, an einen Verstorbenen, vergeben.

"Unser Vater fehlt uns allen sehr"

Nach einer Ansprache von Ministerpräsident Volker Bouffier wendet sich auch Lübckes Sohn an das Publikum. Die Rede, die später online gestellt wird, zeigt den Schmerz und die Wut der Hinterbliebenen. Eine Rede, der kaum anzumerken ist, dass Lübcke in einem Solaranlagen-Unternehmen arbeitet, und nicht - wie sein Vater - in der Politik. Walter Lübcke war Regierungspräsident von Kassel. Mit zunehmend kräftiger werdender Stimme sagt Lübcke: "Unser Vater war ein Mann des klaren Wortes, freiheitlicher Überzeugung und demokratischer Werte."

Diese Überzeugungen kosteten Walter Lübcke das Leben. Denn im Jahr 2015 kümmerte er sich entschlossen um die Unterbringung der damals zahlreich nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. "Das war für ihn selbstverständlich, dass man die geflüchteten Menschen in Nord- und Osthessen aufnahm", erinnert sich Jan-Hendrik Lübcke. Sein Vater habe dabei auch die Ängste der Menschen in seinem Regierungsbezirk ernst genommen: "Dies gehörte ebenso zu seinem Selbstverständnis, wie sich hasserfüllten Äußerungen entschieden entgegenzustellen und demokratische Werte zu verteidigen."

Bei einer Bürgerveranstaltung im Herbst 2015 in Lohfelden wandte sich Walter Lübcke entschieden gegen einige hasserfüllte Äußerungen aus dem Publikum. Ein Halbsatz ("Und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen.") aus seiner Rede wurde - aus dem Zusammenhang gerissen - vielfach im Internet geteilt. Walter Lübcke wurde daraufhin Ziel wütender und hasserfüllter Nachrichten, er wurde bedroht und beleidigt.

Gegen das Schweigen der Vielen

"Hass, Brutalität, Verrohung, Demokratieverachtung und die Herabsetzung des anderen werden zunehmend salonfähig", beklagt Jan-Hendrik Lübcke. "Wir sind alle aufgefordert, demokratische Werte zu verteidigen, die schlimme Verrohung der Sprache zu stoppen, damit jetzige Generationen und nachfolgende in Frieden und Freiheit leben können."

Walter Lübcke soll auch in Zukunft unvergessen bleiben. Das Land Hessen will künftig mit einem Walter-Lübcke-Demokratie-Preis Persönlichkeiten, Vereine oder Institutionen ehren, die sich in besonderer Weise für demokratische Werte einsetzen, kündigt Ministerpräsident Bouffier an. Das dürfte im Sinne von Lübckes Hinterbliebenen sein. Zum Ende seiner Rede zitiert Jan-Hendrik Lübcke den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: "Mehr noch als der Lärm von manchen besorgt mich das Schweigen von vielen anderen."

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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