Politik

"Umstände zur Mordtat erfahren" Lübckes Familie hofft auf Wahrheit

Das Konterfei von Walter Lübcke (CDU) ist am Sarg bei einem Trauergottesdienst zu sehen. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Walter Lübcke wurde in der Nacht zum 2. Juni 2019 tot auf der Terrasse seines Wohnhauses gefunden.

(Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild)

Der Prozess um den Mord an CDU-Politiker Walter Lübcke ist vor allem für dessen Angehörige belastend. Doch weil diese ein Zeichen setzen wollen, treten sie als Nebenkläger im Gerichtssaal auf. Von den beiden Angeklagten erhofft sich die Familie Aussagen zur Tatnacht.

Die Familie des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erwartet vom Prozess eine umfassende Aufklärung der Tat. Die Nebenklage wolle "alle Umstände zur Mordtat erfahren", sagte Holger Matt, der Anwalt der Familie, vor Prozessbeginn am Oberlandesgericht in Frankfurt am Main. Dazu zählten Planung und Durchführung der Tat, Täter und Mitwisser sowie Motive.

"Wir werden mit allen Möglichkeiten, die uns als Nebenkläger zur Verfügung stehen, unseren Beitrag leisten an der Aufklärung des Verbrechens", sagte Matt. "Nach meiner Überzeugung handelt es sich um ein kaltblütig geplantes, heimtückisch begangenes, feiges Mordverbrechen aus übelsten Beweggründen."

Dirk Metz, Sprecher der Familie Lübcke, sprach von einer "belastenden Situation" für die Angehörigen. Sie hätten sich aber entschieden, an der Verhandlung teilzunehmen, um "ein Signal der Verbundenheit" zu ihrem Vater beziehungsweise Ehemann und "auch ein klares Signal gegen Hass und Gewalt in diesem Land" zu setzen. Metz kündigte an, dass sich die Familie am ersten Prozesstag nicht äußern möchte.

Angeklagt sind Lübckes mutmaßlicher Mörder Stephan E. und sein mutmaßlicher Komplize Markus H., die als Rechtsextremisten gelten und Lübcke wegen seiner flüchtlingsfreundlichen Haltung als Opfer ausgewählt haben sollen. E. muss sich als Hauptangeklagter auch wegen eines versuchten Mordes an einem Asylbewerber verantworten.

Lange Warteschlangen vorm Gericht

Lübcke wurde in der Nacht zum 2. Juni 2019 tot auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha gefunden. Laut Obduktion wurde der 65-Jährige mit einer Kurzwaffe aus nächster Nähe erschossen. Die Ermittler gingen bald von einem rechtsextremistischen Hintergrund der Tat aus.

Bis Ende Oktober sind zunächst 30 Verhandlungstage angesetzt. Die Verhandlung findet auch wegen der Corona-Krise unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen statt. Bereits Stunden vor dem Beginn des Prozesses bildeten sich vor dem Oberlandesgericht lange Warteschlangen. In der Reihe für Medienvertreter hatten sich die ersten bereits am Montagabend angestellt.

Wegen der Corona-Pandemie und der deshalb geltenden Abstandsregelungen kann das Gericht nur eine begrenzte Zahl von Plätzen für Zuschauer und Journalisten im Gerichtssaal anbieten. Das Gericht hatte es aus Sicherheitsgründen abgelehnt, einen größeren Verhandlungssaal außerhalb des Oberlandesgerichts zu suchen.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa