Politik

Über 300 Festnahmen in Belarus Lukaschenkos Antwort bleibt Gewalt

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In den sozialen Medien kursieren Videos von prügelnden Polizisten.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Bereits mehr als drei Monate dauern die Demonstrationen gegen den belarussischen Machthaber Lukaschenko an. Auch diesmal gehen die Einsatzkräfte rabiat gegen den friedlichen Protest vor. Die Organisatoren reagieren derweil selbstbewusst auf jüngste Provokationen des Präsidenten.

Tausende Menschen haben trotz Polizeigewalt zum 15. Mal in Serie bei einer Sonntagsdemonstration in Belarus gegen Machthaber Alexander Lukaschenko friedlich protestiert. In der Hauptstadt Minsk versammelten sich die Menschen zunächst in ihren Wohnvierteln und bildeten dann Protestzüge mit den historischen weiß-rot-weißen Fahnen.

Die Polizei begann schon zu Anfang der nicht genehmigten Versammlungen mit Verhaftungen. Das Menschenrechtszentrum Wesna veröffentlichte am Abend die Namen von mehr als 300 Festgenommenen. An den vergangenen beiden Sonntagen kam es jeweils zu rund 1000 Festnahmen. Auch in anderen Städten forderten Menschen erneut Lukaschenkos Rücktritt.

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In Minsk und weiteren Städten marschieren die Menschen "gegen den Faschismus".

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Der Machtapparat zog Hundertschaften Uniformierter von Innenministerium und Armee in Minsk zusammen. Gefangenentransporter, Wasserwerfer und andere schwere Technik standen bereit. Die Polizei setzte Blendgranaten ein, um die Menge zu zerstreuen, wie belarussische Medien berichteten. Die großen Plätze der Hauptstadt waren mit Metallgittern abgesperrt, wie auf Bildern im Nachrichtenkanal Telegram zu sehen war. In den Online-Diensten kursierten Videos, auf denen Polizisten Demonstranten verprügelten.

Internet und Nahverkehr eingeschränkt

Die Behörden regelten das mobile Internet herunter und sperrten etwa zehn Metrostationen - so sollten Massenansammlungen verhindert werden. Offiziell war die Aktion diesmal als "Marsch gegen den Faschismus" angekündigt. Die Organisatoren regierten damit auf jüngste Beschimpfungen durch Lukaschenko, sie seien Faschisten.

Zuletzt hatte der Tod des Künstlers und Aktivisten Roman Bondarenko nach seiner Festnahme für Erschütterung gesorgt. An der Beerdigung Bondarenkos am Freitag in Minsk nahmen 5000 Menschen teil. Insgesamt starben mindestens vier Menschen bei den Protesten.

Die Proteste der Demokratiebewegung dauern seit mehr als drei Monaten an. Die Bewegung fordert auch ein Ende der Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten, die Freilassung aller politischen Gefangenen und Neuwahlen. Lukaschenko beansprucht den Sieg der Präsidentenwahl vom 9. August mit 80,1 Prozent der Stimmen für sich - nach 26 Jahren im Amt. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als Siegerin der Wahl.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP/rts