Politik

Korruption soll endlich enden Macron wettert gegen Libanons Führung

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Mit Maske suchte Macron den Kontakt zu den Libanesen.

(Foto: AP)

Die verheerende Explosion in Beirut stürzt den gesamten Libanon in eine Wirtschaftskrise. Frankreichs Präsident Macron reist nun in das Land und geißelt vor einer aufgebrachten Menschenmenge nicht nur die Korruption.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat nach der verheerenden Explosion in Beirut den Libanon zu einem grundlegenden Kurswechsel aufgerufen. "Wenn keine Reformen vorgenommen werden, wird der Libanon weiter versinken", sagte das Staatsoberhaupt bei einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun. "Was hier nötig ist, ist ein politischer Wechsel. Die Explosion sollte der Start in eine neue Ära sein." Zuvor hatte Macron einen entschiedenen Kampf gegen Korruption gefordert.

Macron kündigte an, mehr internationale Hilfe für den Libanon zu mobilisieren. Eine schnelle Reaktion sei nötig, denn der Libanon stecke bereits seit längerer Zeit in einer politischen und wirtschaftlichen Krise, sagte er bei seiner Ankunft in Beirut. Der libanesische Wirtschaftsminister Raoul Nehme sagte, sein Land sei kaum imstande, die finanziellen Folgen der Explosion ohne Hilfe aus dem Ausland zu bewältigen. Die Zahl der Todesopfer stieg auf mindestens 145. Darunter ist auch eine deutsche Botschaftsmitarbeiterin, wie Außenminister Heiko Maas mitteilte.

Macron mahnte, das Reformen und eine Bekämpfung von Korruption im Libanon überfällig seien, um das Land wieder auf die Beine zu bringen. Es gehe um die historische Verantwortung der herrschenden politischen Elite. Vor einer wütenden Menschenmenge im Zentrum von Beirut versprach er, dass die französische Hilfe nicht in korrupte Hände fließen werde. "Ich garantiere euch das", sagte Macron.

15 Milliarden Dollar Schaden durch Katastrophe

Dem Libanon macht schon seit längerem eine schwere Wirtschaftkrise und hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen. Hintergrund sind eine grassierende Korruption und Misswirtschaft, die der politischen Elite vorgeworfen wird. Der libanesische Wirtschaftsminister wies auf die beschränkten Mittel zur Bewältigung der Katastrophe hin. "Die Kapazität des Staates ist sehr begrenzt, ebenso wie die der Zentralbank und der Banken", sagte er dem TV-Sender Sky News Arabia. Eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) sei der einzige Ausweg.

Beiruts Gouverneur Marwan Abbud schätzte die Kosten der Katastrophe einschließlich der Verluste von Unternehmen auf bis zu 15 Milliarden Dollar. Die EU-Kommission will dem Libanon mit Handelsvergünstigungen und Zollerleichterungen helfen. Die Brüsseler Behörde stehe in dieser schwierigen Zeit bereit für eine Stärkung der beiderseitigen Handelsbeziehungen, kündigte Kommissionschefin Ursula von der Leyen an. Die Weltbank erklärte sich bereit, beim Zusammenbringen der Wiederaufbaufinanzierung mitzuwirken.

In den Trümmern am Hafen suchten Rettungskräfte weiter nach Überlebenden. Dutzende Personen wurden noch vermisst. Rund 5000 Menschen wurden bei der Explosion verletzt, deren seismische Wucht bis in die fast 600 Kilometer entfernte Hafenstadt Eilat an der israelischen Küste am Roten Meer zu spüren gewesen war. Rund eine Viertelmillion Menschen in Beirut wurde obdachlos. Der Hafen der Hauptstadt als wichtigstes Drehkreuz für Lebensmittellieferungen wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Bei der Suche nach der Ursache lag der Fokus weiter auf 2750 Tonnen hochexplosiven Ammoniumnitrats, die der Regierung zufolge sechs Jahre lang ungesichert im Hafen gelagert wurden. In Sicherheitskreisen wurde von Untätigkeit und Fahrlässigkeit gesprochen. Viele Libanesen, die in der Wirtschaftskrise ihren Arbeitsplatz und Ersparnisse verloren haben, geben allerdings den verantwortlichen Politikern die Schuld an der Situation. "Unsere Führer sind Gauner und Lügner. Ich glaube nicht, dass sie eine Untersuchung durchführen werden. Sie haben das Land zerstört, und sie lügen immer noch das Volk an", sagte Rentner Jean Abi Hanna.

Quelle: ntv.de, vpe/rts