Politik

Nach Äußerungen über Putin Marinechef Schönbach muss gehen

Mit verharmlosenden Aussagen über die russische Aggression gegen die Ukraine löst Marinechef Schönbach eine diplomatische Krise aus. Nun zieht er die Konsequenzen und bittet um seine Entlassung. Sein Nachfolger steht schon fest.

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts hat ein führender deutscher Militär mit Aussagen zu Russland für Irritation gesorgt und muss deshalb nun seinen Posten räumen. Das teilte das Verteidigungsministerium den Obleuten im Bundestag mit. Der Vizeadmiral und Chef der Deutschen Marine, Kay-Achim Schönbach, werde "auf eigene Bitte" abgelöst und von Konteradmiral Jan Christian Kaack ersetzt.

Schönbach hatte bei einem Auftritt in Indien Verständnis für den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert. Zudem sagte er zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine: "Die Halbinsel Krim ist weg, sie wird nicht zurückkommen." Dass sich Russland ukrainisches Territorium aneignen wolle, sei "Nonsens". Was Putin wirklich wolle, sei "Respekt auf Augenhöhe", sagte der Vizeadmiral. "Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er will - und den er wahrscheinlich auch verdient." Das ukrainische Außenministerium bestellte daraufhin die deutsche Botschafterin in der Ukraine, Anka Feldhusen, ein.

Das Verteidigungsministerium in Berlin distanzierte sich von Schönbachs Äußerungen. "Die Äußerungen entsprechen in Inhalt und Wortwahl in keiner Weise der Position des Bundesverteidigungsministeriums", sagte ein Sprecher. Schönbach selbst meldete sich am Samstag über seinen dienstlichen Twitter-Account: Er bezeichnete seine Äußerung als "klaren Fehler" und als "unbedacht, fehleingeschätzt in der Situation".

2014 hatte Russland die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert. Im Osten des Landes kämpfen seither von Moskau unterstützte Rebellen gegen die prowestliche Regierung in Kiew. Angesichts eines massiven russischen Truppenaufmarsches in der Nähe der Ukraine wird im Westen befürchtet, dass der Kreml einen Einmarsch in das Nachbarland planen könnte.

Das ukrainische Außenministerium erklärte zur Einbestellung der deutschen Botschafterin in einem Schreiben, es gehe um die "Unannehmbarkeit der Äußerungen des Oberkommandierenden der Kriegsmarine Deutschlands, Kay-Achim Schönbach". Unter anderem gehe es um dessen Aussage, "dass die Krim niemals in den Bestand der Ukraine zurückkehren wird und dass unser Staat den Mitgliedskriterien für die NATO nicht entsprechen wird". Zuvor hatte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bereits Unmut darüber geäußert, dass die Bundesregierung der Ukraine keine Waffen liefern will.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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