Politik

Hunderte Hongkonger protestieren Maskierte trotzen dem Vermummungsverbot

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Die Regierung in Hongkong hatte am Freitag das Tragen von Masken verboten.

(Foto: REUTERS)

In Hongkong gehen trotz des Vermummungsverbots und der Ausschreitungen der vergangenen Nacht Hunderte Maskierte auf die Straße. Während die UN-Menschenrechtskommissarin Gewalt von allen Seiten verurteilt, beginnt die Bevölkerung mit Hamsterkäufen.

Nach der Verhängung eines Vermummungsverbots und den Zusammenstößen in der Nacht sind in Hongkong erneut Hunderte, großteils maskierte Anhänger der Demokratiebewegung auf die Straße gegangen. Der U-Bahn-Verkehr blieb vorläufig eingestellt, zahlreiche Banken, Einkaufszentren und Supermärkte sind geschlossen.

Die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone hatte am Freitag auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit zurückgegriffen und das Tragen von Masken verboten. Nach der Verkündung protestierten wieder Tausende Demonstranten gegen die pekingtreue Regierung. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften in der Nacht wurden U-Bahn-Stationen verwüstet. Die Aktivisten warfen zudem Fenster pro-chinesischer Geschäfte ein und legten Brände in den Straßen. Die Polizei ging mit Tränengas gegen sie vor, ein 14-Jähriger wurde Medienberichten zufolge angeschossen.

Die umstrittene Regierungschefin Carrie Lam verurteilte in einer Videoansprache die "extrem entsetzliche Gewalt" der Aktivisten. Die Bürger hätten Angst nach dieser "sehr dunklen Nacht". Sie rief die Bevölkerung auf, sich von den "Randalierern" zu distanzieren. Doch in mehreren Vierteln Hongkongs setzten Hunderte Aktivisten am Samstagnachmittag ihre Proteste fort und stellten damit unter Beweis, dass sie trotz des lahmgelegten U-Bahn-Netzes in der Lage sind, sich zu organisieren.

Bevölkerung deckt sich mit Lebensmitteln ein

Wie lange die Stillegung des U-Bahn-Netzes, das täglich von vier Millionen Menschen genutzt wird, dauern soll, soll noch entschieden werden. Bevor Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs zu Reparaturarbeiten an den verwüsteten U-Bahn-Stationen ausrücken könnten, müsse deren Sicherheit gewährleistet sein, hieß es.

Dutzende Banken und Einkaufszentren blieben zunächst geschlossen. In den Supermärkten bildeten sich den ganzen Tag über lange Schlangen, da sich die Bewohner Hongkongs vorsorglich mit Lebensmitteln eindeckten. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet zeigte sich "beunruhigt" über die zunehmend gewalttätigen Proteste. "Ich verurteile nachdrücklich Gewalttaten von allen Seiten", sagte sie. Mit Blick auf das Vermummungsverbot betonte sie aber auch, dass jede Einschränkung der Versammlungsfreiheit rechtlich begründet und angemessen sein müsse.

In Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste gegen die wachsende Einflussnahme der Regierung in Peking und die Beschneidung der Bürgerrechte. Die Demonstrationen hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah. Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die prochinesische Führung in Hongkong und die Einschränkung der Demokratie.

Quelle: n-tv.de, fhe/AFP

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