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Illegale Flüchtlinge auf Balkanroute Mazedoniens "Zaun" ist löchrig

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Alles andere als unüberwindbar: Tausende Flüchtlinge gelangen abseits des Grenzzauns auf illegalem Weg nach Mazedonien.

(Foto: imago/EST&OST)

Obwohl die Grenze offiziell dicht ist, finden noch immer Tausende Flüchtlinge mithilfe von Schleusern einen Weg nach Mazedonien. Doch wer dort aufgegriffen wird, muss sofort zurück - in eines der griechischen Lager, in denen selbst Unicef keine Hilfe leistet.

Mazedonien hat allein in den vergangenen zwei Monaten rund 12.000 Flüchtlinge und Migranten nach Griechenland zurückgeschickt, die illegal über die Grenze gelangt waren. Das berichtet die griechische Zeitung "Ta Nea" unter Berufung auf die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. In Athen hieß es dazu, in Nordgriechenland seien Schleuser aktiv, die immer wieder in kleinerem Umfang Migranten über die Grenze nach Mazedonien brächten.

Insgesamt stagniert die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland; von Montag auf Dienstag setzten nur 20 Menschen illegal von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln in der Ostägäis über. Das ganze Wochenende über waren es rund 50 Menschen. Noch vor wenigen Wochen kamen pro Tag zwischen 900 und 2000 Menschen an. Insgesamt halten sich nach Angaben des Flüchtlingskrisenstabes derzeit rund 54.500 Flüchtlinge und Migranten in Griechenland auf. Die meisten von ihnen leben in Flüchtlingslagern.

Derweil kritisierte der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas, dass das UN-Kinderhilfswerk Unicef nicht in den Lagern des Landes aktiv ist. Dies sei völlig unverständlich, schrieb Mouzalas nach Informationen des Fernsehsenders Skai an den griechischen Ableger der Organisation. Dem Bericht zufolge rief Mouzalas die Verantwortlichen dazu auf, ihrer Rolle in der größten Flüchtlingskrise der Nachkriegszeit gerecht zu werden und in Aktion zu treten. Bisher kümmerten sich ausschließlich Hilfsorganisationen sowie freiwillige Helfer aus dem In- und Ausland um die Menschen.

Flüchtlingskinder "in Gewahrsam"

Bis zu 40 Prozent der Flüchtlinge seien Kinder, für die Unicef ja eigentlich da sei. Zuvor hatte bereits der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte, François Crépeau, die Situation speziell von Flüchtlingskindern beanstandet. Sie werden seit dem Inkrafttreten des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei ebenso wie Erwachsene in den Auffanglagern der griechischen Inseln festgehalten, um wieder in die Türkei zurückgeschickt werden zu können. Kinder sollten nicht in Gewahrsam genommen werden, weil sie auf der Flucht sind, hatte Crépeau am Montag vor Journalisten gesagt.

Unicef war bisher vor allem im mazedonischen Grenzort Gevgelija aktiv gewesen, wo auf der anderen Seit der Grenze seit Monaten Tausende Familien am Bahnübergang Idomeni ausharren. Helfer versorgten die Familien dort nach eigenen Angaben mit Wasser, Lebensmitteln und Hygieneartikeln wie Windeln. In Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien betrieb die Hilfsorganisation zudem "kinderfreundliche Orte", wo sich Familien auf der Reise nach Westen ausruhen konnten. Mit der Abriegelung der Balkanroute dürfte diese Maßnahme aber kaum mehr jemanden erreichen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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