Heikler Einsatz im NordatlantikUSA bringen russischen Öltanker unter Kontrolle
Zwei Wochen lang verfolgen die USA einen Öltanker, der wohl für Russland fährt. Plötzlich tauchen russische U-Boote und Militärschiffe auf, um den Tanker zu begleiten. Dann schlägt das US-Militär zu: Es entert das Schiff aus der Luft.
Die USA haben nach einer mehr als zweiwöchigen Verfolgungsjagd einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker vor der Küste Islands unter ihre Kontrolle gebracht. Der russische Staatssender RT hatte zuvor berichtet, US-Kräfte hätten offenbar versucht, von einem Hubschrauber aus an Bord des Tankers "Marinera" zu gelangen, und veröffentlichte dazu ein entsprechendes Bild.
Der Tanker sei gesichert, sagte ein US-Beamter der "Washington Post". "US-Bundesbeamte der Strafverfolgungsbehörden befinden sich derzeit an Bord", so der Beamte. Der Frachter "wurde wegen Verstößen gegen US-Sanktionen beschlagnahmt", teilten die Streitkräfte auf X mit. Der Einsatz sei ohne Störungen durch russische Schiffe verlaufen. In der Nähe des Einsatzortes befänden sich ein russisches U-Boot und ein Kriegsschiff, sagten zwei US-Vertreter dem "Wall Street Journal" und Reuters.
Der mit Venezuela in Verbindung stehende Tanker, der ursprünglich den Namen "Bella-1" trug und unter guyanischer Flagge fuhr, wurde von der US-Küstenwache und dem US-Militär verfolgt. Die USA entsandten zur Unterstützung P-8 Poseidon "U-Boot-Jäger"-Flugzeuge und Lockheed AC-130J Kampfflugzeuge. Auch Großbritannien beteiligte sich an der Maßnahme. Die britischen Streitkräfte hätten nach einer Anfrage aus Washington geplante operative Unterstützung geleistet. Diese habe die Bereitstellung von Stützpunkten für US-Militärgüter sowie Luftüberwachung umfasst.
"Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt in voller Wirkung - überall auf der Welt", teilte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth auf X mit. Die "Marinera" sollte ursprünglich auf ihrer aktuellen Fahrt in Venezuela Öl laden. Doch so weit sei es US-Angaben zufolge nicht gekommen. Die Verfolgung der Vereinigten Staaten sorgte dafür, dass der Frachter das südamerikanische Land nicht erreicht hatte.
Russland sieht Rechte verletzt
Moskau kritisierte die Festsetzung des Öltankers durch die US-Armee scharf. "Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß unter der Gerichtsbarkeit anderer Staaten registriert sind", erklärte das russische Verkehrsministerium. "Angesichts der Berichte, dass russische Bürger zur Besatzung gehören, verlangen wir von der amerikanischen Seite, ihre humane und würdige Behandlung sicherzustellen, ihre Rechte und Interessen strikt zu wahren und eine schnellstmögliche Rückkehr in die Heimat nicht zu behindern", sagte das russische Außenministerium.
Das vormals "Bella-1" genannte Schiff habe am 24. Dezember eine einstweilige Genehmigung erhalten, unter dem Namen "Marinera" unter russischer Flagge zu fahren. Schon zuvor erklärte das russische Außenministerium, es beobachte die Verfolgung des Tankers durch die USA "mit Sorge". Der Kreml forderte die westlichen Länder auf, das Recht des Schiffs auf freie Schifffahrt zu respektieren.
Dem jetzigen Einsatz sei vorausgegangen, dass der Tanker eine US-Seeblockade für sanktionierte Tanker durchbrochen habe. Zudem habe er sich den inzwischen zwei Wochen andauernden Versuchen der US-Küstenwache widersetzt, an Bord zu gehen, und sei seitdem unter russischer Flagge registriert.
Das Schiff steht seit 2024 wegen mutmaßlicher Verbindungen zum Iran und zur libanesischen Hisbollah-Miliz unter US-Sanktionen. Es wurde seit dem 21. Dezember von der US-Küstenwache verfolgt. Seitdem hat der Tanker seinen Namen in "Marinera" geändert. Vor zwei Wochen wollten die Vereinigten Staaten dann zugreifen, doch die Besatzung konnte mit dem Tanker flüchten und malte eine russische Flagge auf die Bordwand. Das Weiße Haus sagte, es handle sich um ein staatenloses Schiff, das unter falscher Flagge fährt und gegen das ein gerichtlicher Beschlagnahmebeschluss vorliegt.
RT zitierte eine ungenannte Quelle mit den Worten, es sei bereits ein Versuch unternommen worden, den Tanker während eines Sturms zu kapern.
Schiff wegen Iran-Verbindung auf Sanktionsliste
Die Aktion ist Teil der Kampagne von US-Präsident Donald Trump gegen Venezuela und erfolgt nur wenige Tage, nachdem US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in Caracas gefangen genommen haben. Führende venezolanische Vertreter bezeichneten die Gefangennahme Maduros als Entführung und warfen den USA vor, die riesigen Ölreserven des Landes stehlen zu wollen. Trump wiederum warf Venezuela vor, US-Öl gestohlen zu haben. Die US-Küstenwache hat zudem einen weiteren mit Venezuela in Verbindung stehenden Tanker in lateinamerikanischen Gewässern abgefangen.
Vor dem Einsatz auf der "Marinera" führte das Südkommando der US-Streitkräfte einen ähnlichen Schlag aus. In der Karibik beschlagnahmte das Verteidigungsministerium am frühen Morgen (Ortszeit) "einen staatenlosen, sanktionierten Tanker der Dark Fleet". Darunter ist etwa ein Frachter der Schattenflotte zu verstehen. "Der Motortanker Sophia operierte in internationalen Gewässern und führte illegale Aktivitäten in der Karibik durch", teilte das Kommando mit.
US-Heimatschutzministerin Kristy Noem teilte mit, dass der Frachter "entweder zuletzt in Venezuela vor Anker gelegen hatte oder auf dem Weg dorthin war". Sie erklärte weiter: "Wir werden in unserem Bestreben, das amerikanische Volk zu schützen und die Finanzierung des Drogenhandels und Terrorismus überall dort zu unterbinden, wo wir sie finden, niemals nachlassen." Kriminelle könnten fliehen, sich aber nicht vor den US-Streitkräften verstecken, sagte Noem.
