Politik

Umwelt- und Sicherheitsgründe Mehrheit der Deutschen will Böllerverbot

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Beamte stehen am Steintor in Hannover, wo das Zünden von Feuerwerk zu Silvester 2018 verboten war. Nach den guten Erfahrungen sollen Böller in Teilen der Innenstadt auch in der Silvesternacht 2019 verboten sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit Böllern und Raketen sollen in der Silvesternacht, dem vorchristlichen Glauben zufolge, böse Geister vertrieben werden. Doch das Feuerwerk bringt auch Brände, Feinstaub und Unfälle. Viele lehnen es einer Umfrage zufolge ab und die Deutsche Umwelthilfe plädiert für einen Böllerverzicht.

Eine Mehrheit der Deutschen ist für ein Böller-Verbot an Silvester. In einer vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) veröffentlichten Umfrage sprachen sich 57 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut YouGov befragten Bundesbürger dafür aus, Böller zum Jahreswechsel zu verbieten. Gegen ein solches Verbot waren 36 Prozent und unschlüssig 7 Prozent. Dennoch freut sich eine große Mehrheit über Raketen am Silvester-Himmel. 84 Prozent der Befragten sagten, Feuerwerk sei schön anzusehen. 49 Prozent finde Feuerwerke gesellig.

Vor allem Umweltschützer plädieren für einen Verzicht auf das Feuerwerk zum Jahreswechsel. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) forderte alle Bürger auf, keine Feuerwerkskörper zu kaufen. "Feiern sie rauschende Silvesterfeste - aber ohne dabei die Luft zu verpesten, ihre Mitmenschen zu gefährden, Tiere in Panik zu versetzen und die Landschaft zu verdrecken", erklärte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Canan Bayram sagte dem RND dazu: "Ein Böllerverbot in Städten halte ich für unausweichlich. Ich unterstütze die Bundesländer in ihrem Wunsch, rechtssichere Verbote für Feuerwerkskörper einzuführen. Klar ist, dass es unter Umwelt- und Gesundheitsschutzaspekten möglich und geboten sein sollte. Die öffentlichen Debatten zeigen, dass es das Bewusstsein über den Nutzen und den Wunsch in der Bevölkerung für ein Verbot gibt."

Das soll jeder selbst entscheiden

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor hält ein Verbot aber nicht für verhältnismäßig. Er erklärte dem RND: "Wer aus Gründen der Feinstaubbelastung jetzt auch noch das Silvesterfeuerwerk verbieten will, hat jedes Gefühl für eine sinnvolle Schwerpunktsetzung verloren. Man muss kein großer Fan von Böllern und Raketen sein, und ich habe auch persönlich jedes Verständnis für eine skeptische Haltung, aber diese leidigen Verbotsdiskussionen gehen mir einfach zu weit. Jeder kann zu Silvester auf Feuerwerk verzichten, aber er braucht dafür doch nicht den Staat, um ihm das zu verbieten."

*Datenschutz

An diesem Samstag beginnt in Deutschland der Verkauf von Raketen und Böllern. Dieses sogenannte Kleinfeuerwerk darf laut Gesetz nur an den letzten drei Werktagen des Jahres verkauft werden. Für den Jahreswechsel 2019/2020 erwartet der Verband der pyrotechnischen Industrie 133 Millionen Euro Umsatz - etwa so viel wie im Vorjahr. Der Umfrage zufolge zündet allerdings nur gut ein Viertel der Bundesbürger Feuerwerk an Silvester (27 Prozent). 12 Prozent böllern jedes Jahr, 14 Prozent gelegentlich. Für die Mehrheit (70 Prozent) ist das Zünden von Feuerwerk tabu. 37 Prozent der Befragten haben demnach noch nie Feuerwerk gezündet, ein Drittel zündet nicht mehr. Manche deutsche Städten, wie beispielsweise Berlin, Hamburg oder Köln haben aus Sicherheitsgründen private Feuerwerke in bestimmten Gebieten verboten.

Quelle: ntv.de, jaz/AFP/dpa