Politik

"Zum Teufel scheren" Melnyk beschimpft Appell-Verfasser als Loser

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Bekannt für seinen rauen Ton: Andrij Melnyk.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wieder einmal schaltet sich der ukrainische Botschafter mit Beleidigungen in eine öffentliche Debatte ein. Diesmal bringt der Aufruf von Prominenten zu einer Verhandlungslösung im Ukraine-Krieg Andrij Melnyk auf die Palme. Doch auch er selbst muss einstecken.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat die Verfasser des Waffenstillstands-Appells als "pseudointellektuelle Loser" verunglimpft. In der "Zeit" hatten Prominente, Publizisten und Wissenschaftler westliche Regierungen zu einer "zeitnahen Verhandlungslösung" aufgefordert. Melnyks Antwort bei Twitter: "Ihr alle Varwicks, Vads, Kluges, Prechts, Yogeshwars, Zehs & Co. sollt euch endlich mit euren defätistischen 'Ratschlägen' zum Teufel scheren."

Unter anderen General a. D. Erich Vad, Philosoph Richard David Precht und TV-Moderator Ranga Yogeshwar hatten den Beitrag in der Wochenzeitung unter dem Titel "Waffenstillstand jetzt!" unterzeichnet. Ihrer Meinung nach sollten westliche Regierungen alles daransetzen, dass die Kriegsparteien Russland und Ukraine "zu einer zeitnahen Verhandlungslösung kommen". Es brauche eine "diplomatische Großoffensive".

Melnyk erntete bei Twitter deutliche Kritik für seinen Tonfall. Er selbst soll sich zum Teufel scheren, antwortete ein User. "Wir haben Meinungsfreiheit und jeder darf frei sagen, was er denkt", schrieb ein anderer. Kritik am Inhalt des Appells hatte jedoch bereits Militärexperte Carlo Masala von der Bundeswehr-Universität in München geäußert. Die Unterzeichner forderten Dinge, ohne Lösungen zu präsentieren, stellte Masala auf Twitter fest. Es werde zu Recht darauf hingewiesen, dass dieser "regionale Krieg" viele globale Konsequenzen hat. "Aber da gibt es nur einen Verursacher: Russland. Es ist nicht der Krieg per se, sondern Russlands Kriegsstrategie." Für eine diplomatische Lösung müsse es Anreize für beide Seiten geben. Und Russland werde sich "jedes Entgegenkommen seinerseits teuer, sehr teuer vergolden lassen".

In dem Appell heißt es, die Ukraine habe sich auch dank westlicher Wirtschaftssanktionen und Waffenlieferungen bislang gegen den "brutalen russischen Angriffskrieg verteidigen können". Allerdings werde es mit der Zeit immer unklarer, "welches Kriegsziel mit ihnen verbunden ist". Immerhin gelte ein ukrainischer Sieg samt Rückeroberung aller besetzten Gebiete - wozu auch die Krim gehört - unter Militärexperten als unrealistisch, Russland sei militärisch überlegen. "Die Fortführung des Krieges mit dem Ziel eines vollständigen Sieges der Ukraine über Russland bedeutet Tausende weitere Kriegsopfer, die für ein Ziel sterben, das nicht realistisch zu sein scheint", folgern die Unterzeichner.

Darüber hinaus seien die Folgen des Krieges nicht mehr ausschließlich auf die Ukraine begrenzt. "Seine Fortführung verursacht massive humanitäre, ökonomische und ökologische Notlagen auf der ganzen Welt." So drohe etwa in Afrika eine Hungerkatastrophe mit Millionen potenziellen Todesopfern. Hinzu kämen rasant steigende Preise sowie eine Düngemittelknappheit. All dies könne zu einer "Destabilisierung der globalen Lage" führen.

Im Mai hatten bereits Prominente um Alice Schwarzer die Waffenlieferungen an die Ukraine in einem offenen Brief infrage gestellt. Damals schrieb Melnyk bei Twitter: "Nichts aus der Geschichte gelernt. Traurig." Deutlicher wurde er beispielsweise gegenüber Kanzler Olaf Scholz, der lange gezögert hatte, nach Kiew zu reisen, nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier quasi ausgeladen worden war. Melnyk nannte Scholz deshalb "beleidigte Leberwurst" - später entschuldigte er sich für seine Wortwahl.

Quelle: ntv.de, chl

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