Politik

Druck auf Litauens Behörden Belarus soll Migranten barfuß an Grenze schicken

271459540.jpg

Mitarbeiter des litauischen Grenzschutzes am Zaun zur belarussischen Grenze (Archivbild).

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die EU beschuldigt Lukaschenko, Menschen als Waffe einzusetzen. Indem er Tausende Migranten an ihre Grenze schickt, provoziert der belarussische Machthaber europäische Staaten wie Litauen. Nach Angaben des litauischen Innenministers nutzen belarussische Behörden nun eine neue Methode.

Litauen hat dem benachbarten Belarus eine neue Taktik bei der Lenkung von Migranten an die Grenze vorgeworfen. Nach Angaben von Innenministerin Agne Bilotaite sollen belarussische Behörden Migranten dazu anhalten, bei kaltem Wetter barfuß zu versuchen, die Grenze zu dem baltischen EU-Land illegal zu überqueren. Damit solle Druck auf den litauischen Grenzschutz ausgeübt werden, sagte Bilotaite in Vilnius.

Bilotaite zufolge sollen auf belarussischer Seite kleine Zeltlager errichtet worden sein, um dort gezielt Migranten unterzubringen, die illegal über die Grenze wollen. Litauen werde sie aber auch weiterhin zurückweisen. Die Migranten erhielten vom Grenzschutz ein Hilfspaket mit Lebensmitteln, Kleidung und Schuhen. "Die Tatsache, dass Menschen barfuß an der Grenze ankommen, wird kein Grund sein, sie hereinzulassen", sagte die Ministerin.

Nach Angaben des Vizechefs des Grenzschutzes, Rimantas Petrauskas, wurden bereits neun Migranten aufgrund ihres Gesundheitszustands in medizinische Einrichtungen eingeliefert. Es gebe aber deutlich mehr Migranten, die nicht richtig gekleidet seien und versuchten, die Grenze nach Litauen zu überqueren, sagte er der Agentur BNS zufolge. Seit Januar wurden nach offiziellen Daten mehr als 10.000 Migranten vom Grenzübertritt abgehalten.

Litauen schottet sich gegen Migration ab

Bilotaite sagte weiter, sie hoffe, dass auch internationale Organisationen der Situation an der Grenze Aufmerksamkeit schenken werden. Sie habe sich dazu an den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und das Rote Kreuz gewandt. Wegen seiner strikten Linie gegenüber Migranten war Litauen selbst in die Kritik geraten. Litauen hat eine fast 680 Kilometer lange Grenze zu Belarus, die Teil der EU-Außengrenze ist.

Im Spätsommer und Herbst 2021 eskalierte die Situation dort: Tausende Menschen versuchten, illegal in die EU zu gelangen. Brüssel beschuldigte den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Migranten aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze gebracht zu haben.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 23. November 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, lve/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen