Politik

Kliniken voller Demonstranten"Tod dem Diktator": Zahlreiche Iraner auf den Straßen

10.01.2026, 06:06 Uhr
Video poster

Die Proteste im Iran dauern an, auch am Freitagabend drängen wieder Menschen auf die Straßen und fordern ein Ende des Regimes. Dessen Sicherheitskräfte setzen offenbar auch scharfe Munition gegen die Demonstrierenden ein.

Im Iran haben am zweiten Abend in Folge massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert - trotz des harten Vorgehens der iranischen Sicherheitskräfte. Zu Aufmärschen kam es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad. Viele geteilte Videos in den sozialen Medien zeigen Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen ist unklar. Immer noch ist das Internet landesweit gesperrt, weshalb nur wenige Aufnahmen nach außen dringen.

In einem von Aktivisten veröffentlichten Video sind Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. "Tod dem Diktator", ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos. Gemeint ist offenbar das geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik, Ayatollah Ali Chamenei.

Das Zentrum für Menschenrechte im Iran (CHRI) mit Sitz in New York zeigte sich angesichts staatlicher Gewalt besorgt. Man habe glaubwürdige Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern, die in Gebieten von Teheran, Maschhad und Karadsch mit verletzten Demonstrierenden überfüllt seien, heißt es in einem Bericht. Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin "Time", sechs Krankenhäuser in der iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten verzeichnet - die meisten seien demnach "durch scharfe Munition" getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht.

Aktivisten zufolge sind bei den landesweiten Protesten bisher 51 Demonstrierende getötet worden. Dabei fehlen allerdings noch Zahlen aus mehreren Großstädten aus den vergangenen beiden Nächten. Hunderte weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo.

Trump warnt iranische Regierung

US-Präsident Donald Trump wiederholte unterdessen seine Warnung an die iranische Regierung und drohte, die USA würden eingreifen, falls wie in der Vergangenheit Menschen getötet werden. "Der Iran steckt in großen Schwierigkeiten", sagte Trump. Noch vor wenigen Wochen habe niemand so große Proteste in iranischen Städten für möglich gehalten. Seine Botschaft an die Führung in Teheran laute daher: "Fangt besser nicht an zu schießen, denn dann werden wir auch anfangen zu schießen."

"Wenn sie anfangen, Menschen zu töten, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, werden wir uns einmischen", fügte der US-Präsident hinzu. Das bedeute nicht, Bodentruppen in den Iran zu schicken, "sondern dass wir sie dort, wo es wehtut, sehr, sehr hart treffen". Im Juni hatten die USA bereits Atomanlagen im Iran angegriffen. Am Sonntag hatte Trump der Führung in Teheran dann nach dem Aufflammen neuer Proteste erneut gedroht.

Die Unruhen hatten Ende Dezember begonnen, ausgelöst wurden sie durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Am Donnerstagabend erreichte die Protestwelle ihren bisherigen Höhepunkt, einen Tag später wurde erneut zu Demonstrationen aufgerufen. Nach Darstellung des Bürgermeisters von Teheran, Alireza Sakani, wurden bei den Unruhen in der Hauptstadt mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. "Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf", sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei verurteilte die Proteste. In einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von "Unruhestiftern" und "dem Land schädlichen" Menschen. "Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist", sagte er. Sie richteten Zerstörung an, "nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut", sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Trump. Chamenei signalisierte einen harten Kurs gegen die Demonstranten.

Merz, Macron und Starmer "zutiefst besorgt"

Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. "Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.

Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. Der Iran warf den drei Ländern in einer Reaktion vor, dass ihre Sorgen "heuchlerisch" seien. "Wir verurteilen böswillige Einmischungen in Irans innere Angelegenheiten, die darauf abzielen, Gewalt zu provozieren", hieß es dort.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

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