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London reicht die Scheidung ein Merkel: Haben uns den Tag nicht gewünscht

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(Foto: picture alliance / dpa)

"Lasst uns Freunde bleiben": Der Satz sei zwar abgedroschen, sagte Bundesaußenminister Gabriel. Doch selten sei er so richtig gewesen wie im Fall Großbritanniens. Und die neue Partnerschaft in den Verhandlungen wohl auf eine harte Probe gestellt.

Kanzlerin Angela Merkel hat den Brexit-Antrag Großbritanniens bedauert und gleichzeitig den Blick nach vorne gerichtet. Deutschland und die anderen Partner Großbritanniens in der EU hätten sich "diesen Tag sicherlich nicht gewünscht, denn wir verlieren einen starken und wichtigen Mitgliedstaat", sagte die CDU-Vorsitzende. Gleichwohl respektiere man die demokratische Entscheidung der britischen Wähler.

Zugleich begrüßte sie, dass es nun mehr Klarheit darüber gebe, "wie sich die britische Seite den weiteren Weg vorstellt und welche Ziele Großbritannien in den Verhandlungen verfolgen will". Es sei nun an den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten, die eigenen Interessen und Ziele zu definieren. Man werde in den kommenden Wochen über die Leitlinien beraten und diese am 29. April bei einem Sondertreffen des Europäischen Rates beschließen, sagte Merkel.

Bundesregierung gut vorbereitet

Derweil betrachtet die Bundesregierung Großbritannien auch nach der Brexit-Erklärung als wichtigen Partner in Europa und in der Nato. "Wir sollten nicht vergessen, dass das Vereinigte Königreich ein Partner bleibt", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Derweil rechnet Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mit schwierigen Gesprächen über den Vollzug. "Die Verhandlungen werden für beide Seiten sicher nicht leicht."

Auf die nun anstehenden Gespräche sei die Bundesregierung "gut vorbereitet", sagte Demmer. Allerdings wartet Berlin noch auf eine Erklärung aus London. "Mit dem britischen Schreiben werden wir mehr Klarheit bekommen, wie die britische Seite sich den Weg vorstellt."

Weiter sagte der SPD-Politiker: "Wir sollten alles tun, um auch in Zukunft gute und freundschaftliche Beziehungen mit London zu pflegen." Großbritannien und Europa brauchten einander. "Der im Privaten bei einer Trennung eher schal klingende Satz 'Lasst uns Freunde bleiben!' ist deshalb hier richtig", fügte er hinzu.

Dabei ließ der Ressortchef aber auch Unverständnis über die britische Entscheidung zum Verlassen der EU durchblicken. Es sei "für viele vielleicht auch heute noch schwer zu verstehen, wie man glauben kann, gerade in diesen unruhigen Zeiten zwischen den Welten alleine besser dazustehen", sagte Gabriel.

Gabriel: Familie der 27 zusammenhalten

Die "klare Richtschnur" bei den anstehenden Verhandlungen werde für Deutschland sein, "dass das Europa der 27 beieinander bleibt", sagte Gabriel. Die EU-Staaten müssten "das große europäische Einigungswerk nicht nur bewahren, sondern weiterentwickeln".

Als erfreulich wird im Auswärtigen Amt gewertet, wie stark die britische Regierung ihr Interesse an engen Beziehungen zur EU hervorhebt. Dennoch werde sich das Verhältnis nach dem EU-Austritt ändern: Ein enger Freund zu sein, sei etwas anderes, als zur Familie der 27 zu gehören, hieß es im Auswärtigen Amt. Dies müsse auch den Briten klar sein.

Die britische Brexit-Entscheidung wird im Auswärtigen Amt insgesamt als riskant eingeschätzt. "Die Entscheidung Großbritanniens, sich gerade in einer Zeit von der EU abzuspalten, in der alte Ordnungen sich aufzulösen scheinen, in der Unsicherheit und Unruhe tiefe Furchen in der Welt ziehen, ist gelinde gesagt waghalsig", hieß es.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa/AFP/DJ

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