Politik

Anstrengungen gegen Klimawandel Merkel redet Industrieländern ins Gewissen

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Für eine lebenswerte Zukunft müsse es einen tiefgreifenden "Wandel in der Gegenwart" geben, plädierte Angela Merkel.

(Foto: dpa)

"Wir verbrauchen immer noch mehr als 30 Prozent mehr Ressourcen, als der Planet regenerieren kann." Bundeskanzlerin Merkel plädiert für mehr Engagement der Weltgemeinschaft in Sachen Klimaschutz. Es gehe um nichts Geringeres als eine lebenswerte Zukunft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat verstärkte weltweite Anstrengungen zum Klimaschutz gefordert. "Mit den heute bestehenden Klimazielen der Welt würde sich die Erde um drei Grad erwärmen", sagte Merkel auf der Veranstaltung "Eine Welt - Unsere Verantwortung", mit der das Entwicklungsministerium eine Kampagne für nachhaltige Entwicklung einläutete. "Das heißt, wir sind mit unseren Zielsetzungen noch längst nicht da insgesamt, wo wir hinmüssen", so Merkel.

Die Industriestaaten verbrauchten mit 20 Prozent der Menschen weltweit 80 Prozent der Ressourcen, sagte Merkel. Deshalb gebe es eine besondere Verantwortung. Das Ziel von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sei deshalb richtig, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent der Erde zu machen. Merkel wies auf steigende Investitionen Deutschlands für den internationalen Klimaschutz hin, die sich 2020 auf vier Milliarden Euro belaufen würden.

Für eine lebenswerte und menschenwürdige Zukunft müsse es einen tief greifenden "Wandel in der Gegenwart" geben, so Merkel. "Wir verbrauchen immer noch mehr als 30 Prozent mehr Ressourcen, als der Planet regenerieren kann", sagte sie. "Den Klimawandel zu verhindern und seine Folgen einzudämmen, das ist eine Existenzfrage."

Politiker, Wirtschaftsexperten, Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft tauschten sich auf der Veranstaltung darüber aus, wie Deutschland globale Verantwortung übernehmen kann. Schon jetzt müssten 20 Millionen Menschen aus den Dürreregionen Afrikas fliehen, so das Ministerium. Zugleich wachse die Weltbevölkerung weiter: Für die Zeit bis 2050 erwarteten Experten eine Zahl von zehn Milliarden Menschen auf der Welt.

"Das geht am Problem vorbei"

Entwicklungsminister Gerd Müller warnte vor den Folgen des Bevölkerungswachstums. "Jede Woche einmal München, jeden Monat einmal New York, jedes Jahr einmal Deutschland", sagte er, um das Tempo deutlich zu machen. Derzeit lebten etwa 7,7 Milliarden Menschen auf der Welt. "Entweder wir bauen die Zukunft gemeinsam und handeln jetzt oder es gibt keine Zukunft", sagte er mit Hinweis auf ein Papst-Zitat. Nötig seien technologischer Fortschritt, ein Verhaltenswechsel bei Wachstum und bedenkenlosem Konsum sowie eine gerechte Globalisierung. Eine besondere Herausforderung sei der afrikanische Kontinent.

Merkel bezeichnete jedoch Forderungen als falsch, möglichst die gesamten Geldmittel für Klimaschutz statt in Deutschland etwa in Afrika einzusetzen. "Das geht am Problem vorbei", sagte die CDU-Politikerin. Die Industrieländer müssten mit der Entwicklung neuer Technologien und einem geänderten Verhalten beweisen, dass man sowohl in Wohlstand als auch nachhaltig leben könne. Bei den globalen Entwicklungsprogrammen gelte es zudem sicherzustellen, dass auch Frauen den Zugang zu Ressourcen bekommen. "Ein ganz wesentlicher Faktor sind die Frauen in diesem Prozess", sagte sie. Diese gingen oftmals auch verantwortungsvoller mit Ressourcen um.

Mit der im Jahr 2015 auf einem UN-Gipfel verabschiedeten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung drückt die internationale Staatengemeinschaft ihre Überzeugung aus, dass sich die globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Kernstück ist ein Katalog mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Die Verpflichtung der Pariser Klimaschutzkonferenz sieht vor, dass die Staaten die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad begrenzen wollen. Experten fürchten, dass es bei einer Erwärmung darüber hinaus zu gravierenden Folgen für das Leben auf der Erde kommt.

Quelle: n-tv.de, fzö/rts/dpa