Politik

Nach Weihnachtsmarkt-Anschlag Merkel trifft Familien von Terroropfern

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Bundeskanzlerin Angela Merkel im Januar 2017 bei einer Schweigeminute im Bundestag für die Terroropfer vom Breitscheidplatz.

(Foto: picture alliance / Kay Nietfeld/)

Ein Jahr nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt will sich Kanzlerin Merkel der Kritik von Hinterbliebenen stellen - und reagiert damit auf einen Brief, den die Familien der Todesopfer verfasst haben. Darin üben sie auch Kritik an der Regierung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich bei einem Treffen mit Angehörigen der Opfer des Weihnachtsmarktanschlags von Berlin der Kritik der Hinterbliebenen stellen. Ein am Freitag bekannt gewordener offener Brief der Familien der Todesopfer sei auch im Bundeskanzleramt eingegangen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Dort sei er mit "großem Respekt" vor dem Leid der Familien gelesen worden.

Es sei spürbar, dass viele aus dem Betroffenenkreis das Bedürfnis hätten, "auszudrücken, was sie von staatlicher Seite als unzureichend oder zusätzlich belastend empfanden", sagte Seibert. Deshalb wolle Merkel bei der Begegnung am 18. Dezember "zuhören und genau wissen, was es ist, das den Angehörigen eine ungeheuer schwere Zeit möglicherweise unnötig noch schwerer gemacht hat". Merkel wolle sich auch der Kritik an staatlichen Institutionen stellen.

Beim Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz waren am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen getötet und 67 weitere verletzt worden. Am Freitag war ein offener Brief bekannt geworden, in dem Angehörige der zwölf Todesopfer mangelnde Unterstützung beklagen und auch die Bundesregierung kritisieren.

Weißer Ring fordert Schmerzensgeld

Auch die Opferhilfsorganisation Weißer Ring forderte mehr Unterstützung für die Betroffenen. "Der Staat muss eine Krisenkoordinationsstelle einrichten", erklärte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter. Nach dem Weihnachtsmarktanschlag habe es zahlreiche Pannen bei der Arbeit der Berliner Behörden gegeben, die die Angehörigen zusätzlich belastet hätten. Viele Opfer hätten sich deswegen allein gelassen gefühlt.

Nach dem Anschlag habe der Weiße Ring etwa 80 Opfer, Angehörige und Hinterbliebene in Berlin betreut und materiell unterstützt. Mit mehr als 150.000 Euro überbrückte der Verein Verdienstausfälle oder finanzierte Erholungsmaßnahmen. "Terroropfer brauchen einen Rechtsanspruch auf Schmerzensgeld gegenüber dem Staat", sagte Müller-Piepenkötter. Nach Ansicht der Organisation sollte dafür jedem Opfer mindestens ein fünfstelliger Betrag zustehen.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP