Politik

"Regieren heißt leiden" Merkels "Konfuzius-SMS" halfen Söder sehr

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Einer von Merkels Ratschlägen an Söder: "Man muss vergessen können."

(Foto: picture alliance/dpa/dpa/Pool)

Während der Corona-Krise kommt Bayerns Ministerpräsident Söder hin und wieder auch ins Zweifeln. Da hilft es, wenn es jemanden gibt, der den CSU-Chef wieder aufbaut - so wie es die ehemalige Kanzlerin Merkel mit ihren philosophischen Textnachrichten gemacht hat.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat mit der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa während schwieriger Phasen der Corona-Pandemie Kurznachrichten ausgetauscht - und teils philosophische Antworten bekommen. "Ich nenne das immer 'Konfuzius-SMS', weil sie viel Lebensweisheit enthalten. Das hat mir oft sehr geholfen", sagte Söder der "Augsburger Allgemeinen".

"Regieren heißt leiden" habe ihm Merkel zum Beispiel einmal geschrieben. Als es "endlose" Diskussionen in Koalitionen gegeben habe, habe er die damalige Kanzlerin gefragt: "Wie hält man es eigentlich aus mit ständig wechselnden Koalitionen?" Merkel habe erwidert: "Man muss vergessen können."

Söder habe Merkel sehr zu schätzen gelernt für ihre Verlässlichkeit, ihre Souveränität und manchmal auch als Mutmacherin. Gerade in schwierigen Phasen, etwa auf dem Höhepunkt der Corona-Wellen, hinterfrage man sich noch mehr als sonst, ob das alles richtig sei. "Dann schreibt man auch mal am Abend eine SMS, in der steht: 'Ich bin in großer Sorge'", verriet Söder.

Dauer-Koalition mit den Freien Wählern?

Im eigenen Bundesland sieht Söder derweil einige Veränderungen. In dem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" bezweifelte er, dass seine CSU jemals wieder die absolute Mehrheit bei Landtagswahlen erreichen kann und setzt langfristig auf die Freien Wähler als Koalitionspartner. "Absolute Mehrheiten gibt es heute in Europa eigentlich nur noch in den Ländern, die den Umgang mit der Medienfreiheit wesentlich anders interpretieren als wir."

Bayern habe sich dagegen auch durch einen enormen Zuzug verändert, sei vielfältiger und umfasse Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen und Erwartungen. "Zudem gibt es, anders als vor 20 Jahren, breitere Angebote im bürgerlichen Parteienspektrum. Es gibt die FDP, die Freien Wähler und - deutlich rechts vom bürgerlichen Lager - auch eine AfD."

Söder setze deshalb auf eine Fortsetzung der seit 2018 regierenden Koalition aus CSU und Freien Wählern: "Die Freien Wähler sind unser bevorzugter Partner", sagte Söder. "Es gibt immer wieder kleine Unterschiede, aber im Grundsatz arbeiten wir gut zusammen." Grüne und FDP hätten sich für einen anderen Weg entschieden, fügte er mit Blick auf die Ampel-Regierung in Berlin hinzu.

Die CSU hat jahrzehntelang allein regiert. 2008 verlor sie die absolute Mehrheit und ging ein Bündnis mit der FDP ein. 2013 gewann sie diese unter dem damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zurück. 2018 brauchte dessen Nachfolger Söder abermals einen Partner und koaliert seitdem mit den Freien Wählern.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

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