Zollstreit-Eskalation vermeidenMerz sucht Gespräch mit Trump in Davos

Wegen der Ablehnung einer US-Übernahme Grönlands droht Trump europäischen Ländern mit Zöllen. Kanzler Merz warnt vor Schaden für beide Seiten und will in Davos mit Trump sprechen, um eine Eskalation zu vermeiden. Notfalls werde die EU mit Gegenmaßnahmen reagieren.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump vor wirtschaftlichen Folgen seiner angedrohten Zölle für die Vereinigten Staaten im Streit um Grönland gewarnt. "Zölle werden in der Regel von denen bezahlt, in deren Land die Importe gehen", sagte Merz in Berlin. "In diesem Fall würden die amerikanischen Konsumenten die Zölle bezahlen."
"Im Kreis der Europäer besteht große Einigkeit, dass weitere Zoll-Androhungen die transatlantischen Beziehungen nicht stärken, sondern schwächen", sagte Merz bei einer CDU-Veranstaltung und fügte mit Blick auf mögliche Gegenmaßnahmen Europas hinzu: "Sie bergen auch das Risiko einer Eskalation."
US-Zölle auf europäische Güter würden aber natürlich auch der deutschen und europäischen Wirtschaft schaden, sagte Merz weiter. "Deswegen wollen wir hier eine Lösung finden", sagte Merz. Er verwies darauf, dass es die Möglichkeit geben werde, in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit Trump zu sprechen. Er werde versuchen, mit ihm am Mittwoch dort Gespräche zu führen. Es werde sicherlich eine Gelegenheit für ein Treffen geben.
Er wolle "möglichst jede Eskalation in diesem Streit vermeiden", betonte Merz. Wenn nötig, werde die EU aber reagieren und Gegenmaßnahmen ergreifen, um europäische und auch deutsche Interessen zu schützen.
Mit Blick auf Trumps Argument, die USA müssten Grönland übernehmen, um die Sicherheit in der Arktis-Region zu gewährleisten, sagte Merz, Deutschland teile die Einschätzung, dass die europäischen Nato-Partner "mehr für die Sicherheit im hohen Norden tun sollten". Dies sei im gemeinsamen transatlantischen Interesse.
Der Kanzler machte deutlich, dass er die Sorge um die militärische Sicherheit Grönlands in der längeren Perspektive ernst nehme. Er wies aber auch darauf hin, dass die USA einmal selbst über 30.000 Soldaten auf Grönland hatten. "Es sind zurzeit unter 200. Also offensichtlich ist die Bedrohungsanalyse auch der Vereinigten Staaten selbst nicht so dramatisch, wie sie im Augenblick vorgetragen wird. Was nicht heißt, dass sie nicht wieder größer werden könnte", sagte der Kanzler
Merz verwies dabei auf die Erkundungsmission der Bundeswehr in Grönland am Wochenende. Wie ein möglicher Beitrag Deutschlands dann aussehen könnte, "werden wir zu gegebener Zeit entscheiden".
Trump hatte am Samstag erneut gefordert, die USA müssten aus Gründen der nationalen Sicherheit die Kontrolle über Grönland übernehmen. Er kündigte neue Zölle für acht europäische Länder an, weil diese sich weigerten, seinen Forderungen nachzukommen, darunter auch Deutschland. Die Länder sollen ab dem 1. Februar zusätzliche Zölle von zehn Prozent zahlen, ab Juni dann von 25 Prozent, wenn sie der Übernahme Grönlands durch die USA nicht zustimmen.