Politik

Nach Verhaftung von FünfjährigemMigranten in Minneapolis fürchten um ihre Kinder

03.02.2026, 20:31 Uhr
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Demonstranten sind empört, dass auch Kinder durch die Migrationspolitik der US-Regierung leiden. (Foto: AFP)

Der Fall des kleinen Liam Conejo Ramos ist in Minneapolis für viele Eltern mit Migrationsgeschichte ein Schock. Was passiert, wenn sie durch die US-Einwanderungsbehörden von ihren eigenen Kindern getrennt werden? In der Stadt bildet sich ein Netzwerk, das Familien schützen will.

Nur noch einmal in der Woche traut sich Nina aus ihrer Wohnung in Minneapolis, und das auch nur nachts. Zu groß ist ihre Angst, dass die Schergen der Einwanderungsbehörde ICE sie und ihren Mann von ihrem vierjährigen Kind trennen könnten. "Wenn wir zur Arbeit gehen und sie uns erwischen, während meine kleine Tochter Ayadana in der Schule ist, was soll ich dann tun?", fragt sich Nina. Die 25-Jährige stammt aus Ecuador, ihr Antrag auf Asyl in den USA läuft noch.

So wie Nina und ihrem Mann geht es tausenden Einwandererfamilien in Minneapolis. Sie verstecken sich in ihren Häusern, um nicht von ICE-Mitgliedern inhaftiert oder abgeschoben zu werden. Ihr Horrorszenario ist, dass ihre Kinder allein zurückbleiben.

Diese Angst quält Nina, seit US-Präsident Donald Trump vor zwei Monaten tausende Einsatzkräfte von ICE und dem Grenzschutz in die Stadt im Mittleren Westen schickte. Die maskierten Männer patrouillieren durch die Straßen und nehmen Migranten fest - trotz heftiger Proteste der Einwohner und örtlicher Politiker.

Um Ayadana davor zu schützen, vom Sozialdienst in Obhut genommen zu werden, überlegte Nina, das Sorgerecht für ihre Tochter vorübergehend einem Freund zu übertragen, der ein Aufenthaltsrecht in den USA hat. Dafür müsste sie ein entsprechendes Dokument, eine "Delegation of Parental Authority" (Dopa), bei einem Notar unterzeichnen. Doch dann wurde der Mutter klar, dass der Gang zum Notar ein weiteres Risiko wäre. "Ich kann doch nicht rausgehen", sagt Nina, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte.

Hunderte Anrufe verzweifelter Eltern

Daniel Hernandez hilft Eltern in dieser verzweifelten Situation. Der 41-jährige Unternehmer, der mehrere Lebensmittelgeschäfte in Minneapolis betreibt, nahm Kontakt zu einem Notar auf. Der bereitet die Dopa-Formulare vor, die Hernandez dann zum Unterschreiben den Familien nach Hause bringt.

Viele Einwanderer, vor allem jene ohne Aufenthaltsgenehmigung, hätten Trumps bereits im Wahlkampf 2024 angekündigten harten Kurs gegen Migranten unterschätzt, sagt Hernandez. "Als die Razzien begannen, wurde den Menschen klar, dass es ernst ist. Da bekam ich dann viele Anrufe von Leuten, die dieses Dokument brauchten." Seit November habe er für "mehr als tausend Kinder" das Dopa-Formular beschafft. "Ich habe noch 500 weitere Kinder, die warten, und ich habe eine Menge Nachrichten nicht beantwortet, weil ich überrannt werde", sagt er.

Ähnlich wie Hernandez unterstützen auch mehrere Organisationen ausländische Eltern in Minneapolis, ihre Kinder abzusichern. Ein besonderer Schock für die Einwandererfamilien war die Verhaftung des ecuadorianischen Jungen Liam Conejo Ramos im Januar. Das Foto des Fünfjährigen mit seiner hellblauen Hasenmütze bestärkte Nina in ihrer Entschlossenheit, ihre Tochter zu schützen "Es hat mir wirklich wehgetan, dieses Kind in dieser Situation zu sehen", sagt sie.

Kind als Köder benutzt?

Die Regierung behauptet, dass Liams Vater, gegen den sich die Razzia richtete, darum gebeten habe, den Jungen mit ihm in Texas zu inhaftieren. Die Anwälte der Familie widersprechen. Demnach benutzten die Einsatzkräfte Liam, um seine Mutter aus dem Haus zu locken, um sie ebenfalls festzunehmen. Am Samstag ordnete ein Richter die Freilassung von Vater und Sohn an.

"Im Moment bleibt uns leider nur, unser Schicksal in Gottes Hände zu legen", sagt Richard Torres, ein 39-jähriger Asylbewerber aus Venezuela. Seine Frau wurde zusammen mit der zweijährigen autistischen Tochter Alani nach Texas in ein Gefängnis gebracht. Die beiden wurden bei einem Routinetermin zu ihrem Asylantrag auf der Behörde festgenommen. Grund dafür war eine angeblich versäumte Anhörung. "Eine Lüge", sagt Torres.

Inzwischen bestätigte ein Richter den Fehler, Mutter und Tochter kamen wieder frei. Doch Verunsicherung und Angst bleiben. Auch Torres übertrug das Sorgerecht für sein Kind an einen Vormund.

"Das ist der einzige Weg, um ein wenig Sicherheit für unsere Familien und unsere Kinder zu gewährleisten", sagt er. Sollte das Schlimmste eintreten, regelt ein Dopa-Dokument, dass sich eine Cousine der Mutter um Alani kümmert. "Sie ist zwar keine Amerikanerin", sagt Torres. "Aber sie ist der einzige Mensch, dem wir wirklich vertrauen."

Quelle: ntv.de, Romain Fonsegrives, AFP

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