Politik

"Soldaten warten an der Grenze"Migrationsforscher sieht Fluchtwege aus Iran versperrt

11.03.2026, 11:05 Uhr
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Der Grenzübergang Kapiköy-Razi ist einer der drei offiziellen Übergänge an der türkisch-iranischen Grenze. (Foto: picture alliance / Anadolu)

US-israelische Angriffe haben seit Kriegsbeginn über tausend Menschen im Iran getötet. Die Kriegshandlungen könnten sich noch verstärken. Der Migrationsforscher Knaus geht aber nicht davon aus, dass viele Menschen nach Europa fliehen werden.

Trotz der anhaltenden Angriffe auf den Iran erwartet der Migrationsforscher Gerald Knaus keine große Fluchtbewegung nach Europa. Da Staaten wie die Türkei ihre Grenzbefestigung stark ausgebaut hätten, gebe es derzeit keine Fluchtwege, sagte der österreichische Vorsitzende der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative (ESI) im Deutschlandfunk.

"Wenn wir Grenzen haben, an denen Soldaten stehen, die einen Schießbefehl haben, dann können auch die am meisten verzweifelten Menschen der Welt ihr Land nicht verlassen." Knaus ist einer der Architekten des Flüchtlingsabkommens von 2016 mit der Türkei, das nach der Flüchtlingswelle die irregulären Einreisen in die EU zurückgehen ließ.

Der Fokus müsse stattdessen auf der humanitären Lage im Iran liegen, sagte Knaus. "Auch wenn es Menschen nicht schaffen, in großer Zahl zu fliehen, bedeutet das nicht, dass ihre Lage im Land nicht katastrophal sein kann", sagte Knaus. So sei es derzeit etwa für die Menschen in Gaza der Fall, über die derzeit wenig gesprochen werde - "vielleicht auch, weil wenige von ihnen es irregulär nach Europa schaffen", so Knaus.

Kämpfe im Libanon

Er verweist auch auf die Situation im Libanon: Durch die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah wurden dort innerhalb des Landes viele Menschen vertrieben, von denen aber wenige nach Europa gekommen seien. Dennoch habe es dort eine humanitäre Katastrophe gegeben, während "die Hilfsgelder für Organisationen, die sich um Vertriebene kümmern, weltweit immer mehr reduziert werden", sagte Knaus.

Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind mehr als 680.000 Menschen innerhalb der vergangenen Tage im Libanon vertrieben worden. Seit Kriegsbeginn sind im Libanon laut der Katastrophenschutzeinheit der Regierung in Beirut fast 500 Menschen getötet worden.

Im Iran berichten Einwohner Teherans von den schwersten Luftangriffen bisher. "Es war die Hölle", sagte ein Anwohner. Im Osten der Stadt seien zwei fünfstöckige Wohnhäuser getroffen worden. Irans UN-Botschafter sprach von mehr als 1300 getöteten Zivilisten und fast 8000 zerstörten Häusern seit Kriegsbeginn.

Quelle: ntv.de, raf/dpa/rts

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