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Neonazis in der Truppe aufspüren Militär-Geheimdienst MAD rüstet auf

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Eingang zum MAD in Köln: 400 neue Stellen sollen hier geschaffen werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Rechtsextremisten in Uniform sollen künftig schneller enttarnt und aus der Bundeswehr entfernt werden. Dafür wird Deutschlands kleinster Geheimdienst MAD umgebaut. Künftig sollen dort Zivilisten ein größeres Gewicht bekommen.

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) soll mit Hunderten neuen Dienstposten, einer Strukturreform und einem zivilen zweiten Vizepräsidenten neu aufgestellt werden. Das Amt des zivilen Vizes werde noch im Herbst Burkhard Even antreten, bisher Leiter der Spionageabwehr beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), berichtete der "Spiegel". Even soll bereits eingeleitete Maßnahmen für eine bessere Kooperation von MAD und Verfassungsschutz voranbringen. Etliche der bis zu 400 neuen Stellen beim Militärgeheimdienst sollen Zivilisten besetzen.

Mit dem Umbau reagiert das Ministerium auch auf Kritik, das Vorgehen gegen Rechtsextremisten in den Streitkräften sei bisher zu zögerlich. Das für die Kontrolle der Geheimdienste zuständige Parlamentarische Kontrollgremium arbeitet bereits seit mehr als neun Monaten an einem Bericht über mögliche rechte Netzwerke mit Bezügen zur Bundeswehr. Er wird - wenn er denn fertig ist - wohl mehrere Hundert Seiten umfassen.

In einem Zwischenfazit berichtete der zuständige Sonderermittler dem geheim tagenden Kontrollgremium für die Geheimdienste im Juli von systemischen Mängeln beim MAD. So habe der Geheimdienst in den vergangenen Jahren bei Ermittlungen gegen rechtsextreme Soldaten zu lasch agiert und nicht mit dem Verfassungsschutz kooperiert.

Fall Franco A.: Zeichen für Schwächen beim MAD

Dass beim MAD manches nicht gut läuft, hat auch der Fall des unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers Franco A. gezeigt. Er hatte sich als syrischer Flüchtling registrieren lassen und führte ein Doppelleben. Dass er in seiner Abschlussarbeit einen Hang zu Verschwörungstheorien und rechtsextremen Einstellungen erkennen ließ, erfuhr der MAD damals nicht.

Der Generalbundesanwalt glaubt, dass Franco A. aus einer rechtsextremen Gesinnung heraus Politiker und andere Menschen töten wollte, die sich für Flüchtlinge einsetzten. Das Oberlandesgericht Frankfurt sieht allerdings keinen hinreichenden Terrorverdacht und hat die Anklage gegen Franco A. nicht zugelassen. Der Offizier ist nicht mehr im Dienst, aus der Bundeswehr aber nicht entlassen worden.

Im vergangenen Jahr hatte der MAD vier Soldaten oder Beschäftigte als "erkannte Rechtsextremisten" eingestuft. Zudem gab es jährlich etwa zehn Verdachtspersonen mit extremistischer Einstellung, die an die Personalstellen gemeldet werden. Zuletzt wurden außerdem etwa 450 Fälle mit einem Verdacht auf Rechtsextremismus gezählt. Eine auffällige Häufung von Verdachtsfällen gab es im Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr, das genauer unter die Lupe genommen werden soll.

Auch die Freizeit der Soldaten durchleuchten

In Zukunft soll auch stärker als bisher geschaut werden, ob Bundeswehrsoldaten außerhalb ihrer Dienstzeit Aktivitäten nachgehen, die sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richten. Auch die Reservisten der Bundeswehr soll der MAD künftig genauer unter die Lupe nehmen. Für Schlagzeilen gesorgt hatten zuletzt Mitglieder der mutmaßlich rechtsextremen Gruppe "Nordkreuz". Im Februar 2018 waren fünf Männer im Zusammenhang mit Ermittlungen zu "Nordkreuz" aus der Reserve ausgeschlossen worden. Vier von ihnen wehrten sich jedoch nach Angaben des Reservistenverbands erfolgreich gegen den Rausschmiss.

Der MAD ist der kleinste deutsche Geheimdienst. Zu seinen Aufgaben gehört die Abwehr von Spionage und Sabotage in der Bundeswehr sowie die Überprüfung von Soldaten und Behördenmitarbeitern auf extremistische Einstellungen und Aktivitäten. Er berichtet an die zuständigen Stellen, ist selbst jedoch nicht für Entlassungen zuständig.

Turnusgemäß wird auch die Stelle des militärischen Vizepräsidenten neu besetzt: Die Position wird Oberst Frank Utzerath übernehmen, der aktuell zur Abteilung Planung des Verteidigungsministeriums gehört. Über Vorschläge des Bundeskriminalamtes (BKA) und des Verfassungsschutzes zur Verbesserung ihrer Schlagkraft im Kampf gegen Rechtsextremisten will Bundesinnenminister Horst Seehofer in den nächsten Wochen entscheiden.

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/AFP

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