Politik

Türken in Bagdad Milizen drohen mit Entführungen

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Türkische Soldaten an der Grenze zum Irak (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Entsendung türkischer Soldaten in den Nordirak sorgt für Furore. Beobachter erwarten einen neuen Militärstützpunkt. Die irakische Regierung stellt der Türkei ein Abzugs-Ultimatum, Milizen üben sich in Drohgebärden.

Bewaffnete irakische Gruppen planen einem Medienbericht zufolge Entführungen von Türken in Bagdad, um Ankara zum Abzug seiner Soldaten aus dem Nordirak zu zwingen. In den vergangenen beiden Tagen habe es deswegen "intensive Treffen" gegeben, berichtet die arabische Tageszeitung "Al-Sharq al-Awsat". Hadi al-Amiri, einer der wichtigsten Führer schiitischer Milizen im Irak, drohte der Türkei zugleich, ihre Panzer zu zerstören, meldet die Nachrichtenseite Shafaaq News.

Am Sonntagabend hatte Bagdad der Türkei ein Ultimatum von 48 Stunden für einen Abzug gestellt. Ansonsten habe der Irak das Recht, "alle zur Verfügung stehenden Optionen zu nutzen", erklärte der nationale Sicherheitsrat unter Leitung von Regierungschef Haider al-Abadi. Dazu gehöre auch die Anrufung des UN-Sicherheitsrates. Die Soldaten seien ohne Zustimmung der irakischen Regierung ins Land gekommen.

Ausbildung oder Militärstützpunkt?

Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hatten am Freitag rund 150 Soldaten und etwa 25 Panzer die Grenze zum Irak überquert, um ein Bataillon in der Region abzulösen. Aufgabe sei unter anderem die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Kämpfer. Diese sollen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgehen. Angesichts des militärischen Geräts erwarten Beobachter jedoch, dass die Türkei einen Militärstützpunkt einrichten will.

Nach US-Regierungskreisen erfolgte die Truppenbewegung nicht im Rahmen der Anti-IS-Koalition. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu rechtfertigte die Entsendung der Soldaten. Die Türkei habe die Pflicht, ihre dort in der Ausbildung irakischer Einheiten tätigen Soldaten zu schützen, sagte er dem Sender Kanal 24. Mit Luftangriffen allein könne die IS-Miliz nicht aus Syrien vertrieben werden, so Cavusoglu. Es sei eine schlagkräftige Truppe am Boden zur Unterstützung der gemäßigten Opposition nötig.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schloss die Entsendung von Bodentruppen im Kampf gegen den IS aus. Es sei aber nötig, Anti-IS-Kräfte vor Ort zu stärken, sagte er dem Schweizer "Tages-Anzeiger".

Quelle: n-tv.de, asc/dpa/rts/AFP

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