Politik
Syrische Soldaten patrouillieren durch die Straßen von Zamalka in Ost-Ghuta.
Syrische Soldaten patrouillieren durch die Straßen von Zamalka in Ost-Ghuta.(Foto: doa)
Freitag, 13. April 2018

"Beweise" für Beteiligung: Moskau: London inszenierte Giftgasangriff

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien spitzt sich die Lage zu: Die russische Armee wirft Großbritannien vor, an der "Organisation dieser Provokation" beteiligt zu sein - und will Beweise haben. Die USA geben dagegen Russland eine Mitschuld.

Der mutmaßliche Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma soll nach russischer Darstellung von London inszeniert worden sein. "Wir haben Beweise, dass Großbritannien an der Organisation dieser Provokation in Ost-Ghuta direkt beteiligt ist", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. London habe "starken Druck" auf die Zivilschutzorganisation der Weißhelme ausgeübt. Den Weißhelmen sei gesagt worden, dass die islamistischen Kämpfer der Organisation Dschaisch al-Islam vom 3. bis 6. April Damaskus mit Artillerie beschießen würden. Darauf würden die Regierungskräfte reagieren, was wiederum die Weißhelme für ihre "Provokation" nutzen sollten.

Moskau verfügt demnach über "Interviews von direkt an der Erstellung von Videos beteiligten Personen", mit denen man den Anschein habe erwecken wollen, dass es einen Chemiewaffenangriff gegeben habe. Einwohner der mittlerweile von syrischen Regierungstruppen eingenommenen Stadt Duma hätten "detailliert erzählt, wie die Videoeinstellungen vonstatten gingen und an welchen Episoden sie teilgenommen" hätten.

Am vergangenen Samstag sollen nach unterschiedlichen Angaben in Duma zwischen 42 und 85 Menschen durch Giftgas getötet worden sein. Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce bezeichnete den Vorwurf einer Beiteiligung Londons als "grotesk", "bizarr" und "offenkundige Lüge". "Es ist die schlimmste Fakenews, die wir bisher von der russischen Propagandamaschine gesehen haben." Ermittler der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) wollen von Samstag an  vor Ort untersuchen, ob ein Giftgasangriff stattgefunden hat. Die Verantwortlichen ermitteln sie dabei aber nicht.

US-Präsident Donald Trump hatte wegen des mutmaßlichen Giftgasangriffs bereits am Mittwoch mit einem Angriff auf syrische Stellungen gedroht. Er ließ jedoch offen, ob und wann solch eine Attacke erfolgen könnte. Washington macht die syrische Regierung für den Einsatz von Chemiewaffen bei den Kämpfen um Duma verantwortlich und wirft Russland vor, diesen erst möglich gemacht zu haben. Russland habe sein Veto-Recht im Sicherheitsrat zwölf Mal genutzt, um die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu schützen - unter anderem, um Ermittlungen über Giftgasangriffe im Land zu stoppen, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley. Damaskus und Moskau dementieren eine Beteiligung.

Quelle: n-tv.de