Politik

Türkei entsendet Hilfsgüter Muslimische Staaten springen Rohingya bei

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Zehntausende Rohingya machen sich auf den Weg von Myanmar nach Bangladesch - wo sie nicht willkommen sind.

(Foto: imago/ZUMA Press)

In der humanitären Krise um die Rohingya in Myanmar schalten sich muslimische Staaten ein. Länder wie die Türkei und Indonesien schicken nicht nur Hilfsgüter - sie machen auch Druck auf die Regierung und fordern Schutz für die muslimische Minderheit.

Die Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya im mehrheitlich buddhistischen Myanmar ruft muslimisch geprägte Staaten auf den Plan. Länder wie die Türkei und Indonesien zeigten sich besorgt über die Ausschreitungen. Sie richteten ihre Kritik an Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die de-facto die Regierung von Myanmar leitet.

Von dort sind allein in den vergangenen zehn Tagen knapp 125.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflohen. Doch da sind die Rohingya nicht willkommen, wie die Regierung in Dhaka offiziell erklärte. Sie erwägt einem Berater zufolge, die Flüchtlinge vorübergehend auf einer einsamen Insel im Golf von Bengalen unterzubringen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einem Telefonat mit Suu Kyi, die muslimische Welt sei tief besorgt über die Gewalt. In Regierungskreisen hieß es, Erdogan habe Myanmar Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Die Türkei will noch am Mittwoch beginnen, tausend Tonnen Hilfsgüter für die Rohingya zu liefern.

Bereits früher hatte das türkische Staatsoberhaupt die Ausschreitungen als Völkermord an den Rohingya bezeichnet. Erdogan sagte, Außenminister Mevlüt Cavusoglu werde am Mittwoch nach Myanmar reisen. Dort gaben die Behörden nach türkischen Angaben grünes Licht für erste internationale Hilfslieferungen in den Nordwesten des Landes, von wo die Rohingya in Massen fliehen.

Asean-Bund könnte eingreifen

Auch Indonesien kündigte Unterstützung an, die das Land aber Bangladesch zukommen lassen will. Es werde sich wohl vor allem um Hilfslieferungen und nicht um finanzielle Unterstützung handeln, erklärte Außenministerin Retno Marsudi nach einem Gespräch mit der Regierung von Bangladesch. Bereits am Montag hatte Marsudi von Myanmar ein Ende der Gewalt gefordert.

Auslöser der neuen Übergriffe gegen die seit Jahren unterdrückte Minderheit waren Attacken aufständischer Rohingyas auf Dutzende Polizeistationen und Militärstützpunkte am 25. August. Bei der Gegenoffensive wurden 400 Menschen getötet. Myanmar rechtfertigt das Vorgehen als Kampf gegen Terroristen.

Der Umgang mit den rund 1,1 Millionen Rohingya stellt Suu Kyi, die als Regierungsberaterin praktisch die Befugnisse einer Ministerpräsidentin hat, vor große Herausforderungen. Auch im Westen werfen Kritiker der Friedensnobelpreisträgerin vor, ihre Stimme nicht für die Minderheit erhoben zu haben. Indonesien erklärte, der Asean-Staatenbund könnte sich zum Eingriff in Myanmar gezwungen sehen.

Im benachbarten Bangladesch stoßen Flüchtlingslager wie in Cox's Bazar längst an ihre Grenzen. Bereits vor dem jüngsten Zustrom lebten dort 400.000 Rohingya. Das verarmte Land bat nun internationale Organisationen um Hilfe dabei, geflohene Rohingya vorübergehend auf der Insel Thengar Char unterzubringen. Das Eiland liegt zwei Bootsstunden von der nächsten Siedlung entfernt und wird während des Monsuns regelmäßig überflutet. In den Gewässern nehmen Piraten bei ruhigerer See immer wieder Fischer gefangen, um Lösegelder zu erpressen.

Quelle: n-tv.de, mli/rts

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