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Gesuchter sitzt im Gefängnis Mutmaßlicher Amri-Komplize aufgespürt

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Mit einem Lastwagen tötete Anis Amri auf dem Breitscheidplatz in Berlin zwölf Menschen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Untersuchungsaußschuss zum Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt will den Freund von Attentäter Anis Amri als Zeugen vernehmen. Doch nach seiner Abschiebung scheint der Mann spurlos verschwunden. Nun geben die tunesischen Behörden bekannt: Der Gesuchte befindet sich in Haft.

Der aus Deutschland abgeschobene mutmaßliche Helfer des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri, Bilel Ben Ammar, sitzt in Tunesien in Haft. Das teilte das tunesische Außenministerium der deutschen Botschaft in Tunis in einem Schreiben mit. Bislang war der Aufenthaltsort Ben Ammars, den der Amri-Untersuchungsausschuss als Zeugen vernehmen will, unbekannt gewesen.

Der FDP-Obmann im Untersuchungsausschuss, Benjamin Strasser, forderte von der Bundesregierung, "alle Hebel in Bewegung" zu setzen, damit Ben Ammar von dem Bundestags-Gremium vernommen werden könne. "Wer im Megatempo relevante Personen abschieben kann, muss auch den gleichen Einsatz zeigen, wenn diese Personen dann als Zeuge für unseren Ausschuss gebraucht werden", sagte Strasser.

Ben Ammar war am 1. Februar 2017 aus der Untersuchungshaft nach Tunesien abgeschoben worden. Nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte ihm keine Tatbeteiligung an dem Anschlag Amris auf dem Berliner Breitscheidplatz nachgewiesen werden können, bei dem am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen getötet worden waren. Vor allem die Opposition kritisierte die schnelle Abschiebung scharf und argumentierte, dass Ben Ammar vielleicht einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten könnte.

Laut Dokumenten des BKA soll sich Ben Ammar 2016 während des Terror-Anschlags von Nizza wahrscheinlich in Frankreich aufgehalten haben. Dort war im Juli 2016 ein Islamist mit einem Lastwagen über einen Boulevard gerast - er tötete 86 Menschen. Amri wählte am Berliner Breitscheidplatz wenige Monate später dieselbe Methode.

Zweifel an einer Alleintäterschaft Amris gibt es bereits länger. So wiesen italienische Ermittler schon kurz nach dem Anschlag am Breitscheidplatz in einem Vermerk auf Unterstützung von Amri durch Islamisten hin. Dass Amri Kontakt zu anderen Gefährdern hielt, bestätigen auch deutsche Behörden. Sie gehen jedoch nach eigenen Angaben davon aus, dass dieser die Tat allein verübte.

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP/dpa

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