Gestohlenes Getreide an BordNach Wut der Ukrainer: Israel weist russisches Schiff ab

Die ukrainische Regierung wirft Israel vor, von Russland gestohlenes Getreide in Häfen anzulanden. Sogar der Botschafter wird einbestellt. Nun soll ein Unternehmen gezwungen worden sein, ein Schiff abzuweisen.
Nach scharfen Protesten aus der Ukraine soll eine russische Lieferung von Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten nach Medienberichten nicht in Israel entladen werden. Die Ladung des russischen Schiffs "Panormitis" werde im israelischen Hafen von Haifa nicht angenommen, berichteten israelische Medien.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor mit Sanktionen gegen alle Beteiligten am Handel gedroht. Nach Selenskyjs Angaben hatte in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Frachter Getreide aus den besetzten ukrainischen Gebieten in Richtung Israel transportiert. Am Montag bestellte das ukrainische Außenministerium in Kiew deshalb den israelischen Botschafter Michael Brodsky ein. Israels Außenminister Gideon Saar hatte gefordert, Kiew solle Beweise für seine Vorwürfe vorlegen.
Das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete, der Verband der Getreideimporteure in Israel habe mitgeteilt, dass das Getreideimportunternehmen Zenziper gezwungen worden sei, ein russisches Frachtschiff abzuweisen, dessen Stopp Kiew von Israel gefordert hatte. Grund sei der Verdacht, dass es ukrainisches Getreide transportiere, das aus besetzten Gebieten geplündert worden sein soll. Dem Verband zufolge "wird der russische Lieferant der Weizenladung einen anderen Zielhafen finden müssen, um die Fracht zu entladen".
Ukraine: "Begrüßenswert"
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha bestätigte die israelischen Medienberichte und sprach von einer "begrüßenswerten Entwicklung". "Dies ist auch ein klares Signal an alle anderen Schiffe, Kapitäne, Betreiber, Versicherer und Regierungen: Kaufen Sie kein gestohlenes ukrainisches Getreide", erklärte Sybiha auf X.
Russland kontrolliert seit der Annexion der Halbinsel Krim 2014 und dem Einmarsch von 2022 etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes. Der Südosten der Ukraine ist nicht nur für Bergbau und Industrie wichtig, sondern wegen seiner Schwarzerdeböden auch für die Landwirtschaft. Die Ukraine betrachtet den Handel mit Gütern aus den besetzten Gebieten als illegal.