Politik

Nach schwerem Luftangriff Taliban und Pakistan vereinbaren Feuerpause bis Ramadan-Ende

18.03.2026, 19:56 Uhr
00:00 / 03:35
Sicherheitskraefte-der-Taliban-inspizieren-die-zerstoerten-Ruinen-der-Drogenrehabilitationsklinik-in-der-afghanischen-Hauptstadt-nach-einem-Luftangriff-Die-Taliban-Regierung-macht-Pakistan-fuer-den-Angriff-verantwortlich
Die Taliban werfen Pakistan Angriff auf zivile Entzugsklinik vor. (Foto: picture alliance/dpa)

Zwischen den Nachbarländern Pakistan und Afghanistan sind Ende Februar schwere Kämpfe ausgebrochen. Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen. Nun einigen sich beide Seiten mithilfe von Vermittlern auf eine zumindest vorübergehende Feuerpause.

Pakistan und Afghanistan wollen die gegenseitigen Angriffe pausieren. Die Pause gelte angesichts der Feierlichkeiten zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, teilte die pakistanische Regierung mit. Dies sei eine Geste des guten Willens und entspreche islamischen Normen, schrieb Informationsminister Attaullah Tarar auf X. Auch die islamistischen Taliban in Afghanistan verkündeten eine Feuerpause. Saudi-Arabien, Katar und die Türkei hatten nach afghanischen und pakistanischen Angaben auf die Unterbrechung der Kämpfe hingewirkt.

Das pakistanische Militär will die Angriffe ab Mitternacht bis zur Nacht auf den 24. März einstellen, schrieb Tarar weiter. Er stellte aber klar, dass der Militäreinsatz wieder aufgenommen werde, sollte Pakistan angegriffen oder Terroranschläge im Land verübt werden. Auch Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sprach auf X davon, gegebenenfalls zurückzuschlagen.

Die Ankündigung kommt überraschend. Noch am Vortag hatten pakistanische Regierungsmitglieder gesagt, die Angriffe auf Afghanistan würden fortgeführt. Islamabad wirft Kabul vor Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul weist die Anschuldigungen zurück. Die Kämpfe zwischen den Nachbarländern waren Ende Februar neu entflammt.

Luftangriff auf Kabul

Anfang der Woche waren bei einem pakistanischen Luftangriff auf Kabul Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Eine Entzugsklinik für Drogenabhängige war zerstört worden. Die islamistische Taliban-Regierung spricht von mehr als 400 Toten und 265 Verletzten. Die UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA) bezifferte die Zahl der Todesopfer dagegen auf 143.

Über das Ziel des Angriffs herrschen widersprüchliche Angaben. Während die Taliban-Regierung in Kabul von einer zivilen Einrichtung auf dem Gelände der ehemaligen Nato-Basis "Camp Phoenix" sprach, erklärte Pakistans Militär, es habe ein Lager für Drohnen und Munition sowie Ausrüstung für Selbstmordattentäter getroffen. Auch Scud-Raketen aus Sowjet-Zeiten sollen dort gelagert haben.

In Kabul fand eine erste Massenbeerdigung für Opfer des Luftangriffs von Montagnacht statt. Lokale Medien berichteten, dass Leichen auf dem Sarai Schomali Berg in Kabul bestattet worden seien. Viele seien schwer entstellt und konnten nicht identifiziert werden, berichtet der afghanische Fernsehsender Tolonews. Führende Taliban wie Innenminister Siradschuddin Hakkani nahmen an der Beerdigung teil. Bei einem Besuch der Ruinen der zerstörten Entzugsklinik sagte die EU-Repräsentantin in Kabul, Veronika Boskovic Pohar, dem Sender Tolonews: "Was wir wollen, ist Dialog zwischen den beiden brüderlichen Nachbarländern. Ihr könnt euch nicht gegenseitig auf den Mond schießen." Frieden läge im Interesse beider Länder, sagte sie.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa/rts

AfghanistanLuftangriffePakistanKriege und KonflikteTaliban