Politik

Erst Astrazeneca, dann Biontech? Nachimpfung soll problemlos möglich sein, sagt Spahn

Wer jetzt eine Astrazeneca-Impfung bekommt, möchte möglicherweise in ein paar Monaten eine weitere Impfung erhalten, dann mit Biontech oder Moderna. Das sei kein Problem, sagt Gesundheitsminister Spahn.

Nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Präparat ist laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu einem späteren Zeitpunkt eine Nachimpfung mit einem anderen Wirkstoff denkbar. Das sei "problemlos möglich", wenn am Ende des Jahres alle Impfwilligen geimpft seien und noch Impfstoff verfügbar sei, sagte der CDU-Politiker in einer vom Gesundheitsministerium organisierten Live-Diskussion.

Die Frage war von einem 58-Jährigen aus Nürnberg gestellt worden, der Risikopatient mit diversen Vorerkrankungen ist und zudem seinen Vater pflegt. Aufgrund seines Alters dürfte er eine Impfung mit Astrazeneca erhalten. "Kann man sich später noch mal impfen lassen?", fasste Spahn die Frage zusammen und antwortete: "Ja." Möglicherweise werde generell eine dritte Impfung benötigt, "das wissen wir noch gar nicht".

Zulassung von Johnson & Johnson in zwei bis vier Wochen

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, wies darauf hin, dass die Frage der Nachimpfungen noch nicht geklärt sei, "damit werden wir uns später beschäftigen". Sowohl Spahn als auch Cichutek erklärten zudem, in den nächsten zwei bis vier Wochen werde der Impfstoff von Johnson & Johnson aller Voraussicht nach eine Zulassung bekommen.

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Cichutek betonte allerdings, dass auch Astrazeneca "ein super Impfstoff" sei. Die im Vergleich zu den Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna geringere Wirkung von 70 Prozent bedeute, dass bei 100 Personen 70 geschützt seien - dass aber bei den infizierten 30 schwere Verläufe vermieden werden könnten. Es sei also nicht so, dass die 30 Prozent ungeschützt seien. "Das ist ein hochwirksamer Impfstoff, genau wie die beiden anderen. Er verhindert Krankenhausaufenthalte, und das ist eine sehr gute Nachricht für uns alle."

Dies betonte auch der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. "Von einem Zwei-Klassen-Impfstoff zu reden, ist deshalb falsch, weil alle diese Impfstoffe einen hohen Schutz bieten." Das sei "eine skandalisierende Bezeichnung, die ich nicht nachvollziehen kann".

Die Diskussionsteilnehmer warben eindringlich dafür, angebotene Impftermine auch zu nutzen. "Dieses Virus wird uns nicht verlassen, dieses Virus wird nicht mehr weggehen", sagte Wieler. Das Ziel einer Basisimmunität der Bevölkerung lasse sich auf zwei Wegen erreichen - über die Impfung oder über eine Erkrankung. Der deutlich angenehmere Weg sei die Impfung.

Zugleich wies Wieler darauf hin, dass auch die eingeübten Maßnahmen wie Abstand, Mundschutz und Hygiene weiterhin wichtig seien. "Impfen ist ein Werkzeug, wir dürfen die anderen Werkzeuge aber nicht vernachlässigen."

Quelle: ntv.de, hvo/dpa