Politik

Nazi-Vergleich und Kanonenpulver Netanjahu hält brachiale Rede

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Plötzlich hält Netanjahu bei seiner Rede ein Wrackteil in der Hand.

(Foto: dpa)

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu tritt das erste Mal auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf. Und er hält eine Rede, die in Erinnerung bleiben dürfte - wegen heikler historischer Vergleiche und ausgesprochen aggressiver Rhetorik.

Ein wenig erinnert die Rede von Benjamin Netanjahu an eine Kochshow. Getreu dem Motto: Ich hab da mal etwas vorbereitet. Nur handelt es sich bei dem israelischen Ministerpräsidenten keineswegs um Köstlichkeiten.

Netanjahu steht in diesem Jahr das erste Mal auf der Bühne der Münchner Sicherheitskonferenz. In einer Passage seiner Rede holt er den abgebrochenen Flügel einer abgeschossenen Drohne hinter dem Rednerpult hervor und reckt ihn in die Höhe. "Mr. Sarif", spricht er den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif an. "Erkennen Sie das?" Netanjahu beschreibt, dass die Drohne kürzlich die Bürger Israels bedroht hätte und fügt hinzu: "Stellen Sie niemals Israels Entschlossenheit infrage."

Israel hatte am vorangegangenen Wochenende Angriffe in Syrien geflogen und dabei nach eigenen Angaben syrische und iranische Stellungen ins Visier genommen. Ein israelischer Kampfjet wurde dabei abgeschossen.

Netanjahus Auftritt wird in Erinnerung bleiben. Derart aggressive Reden sind auf der auf Dialog gepolten Sicherheitskonferenz selten.

Netanjahu behauptet, keine Vergleiche zwischen dem Iran und Nazi-Deutschland ziehen zu wollen, tut es dann aber doch. Er erinnert an das Münchner Abkommen von 1938, das Adolf Hitler nicht von weiteren blutigen Eroberungen abhielt und konstruiert eine Verbindung zum Nuklearabkommen mit dem Iran. "Appeasement funktioniert nie", sagt Netanjahu. Die Aggression der Nazis hätte auf der Ideologie einer Herrenrasse gefußt, die der Iraner auf der Ideologie eines Herrenglaubens.

Der israelische Ministerpräsident zückt in einer Passage seiner Rede eine Karte: "Der Einfluss des Iran und des IS im Nahen Osten" ist sie überschrieben und soll die Einflusssphären Teherans und der Terrormiliz Islamischer Staat im Nahen Osten zeigen. Die Politik Israels sei: "Stopp sie, bevor sie groß werden."

Der Amerikaner Kerry kontert Netanjahu

Einen großen Teil seiner Rede nutzt Netanjahu, um die Ambitionen des Irans in der Region aus seiner Sicht zu beschreiben - vor allem die nuklearen Ambitionen. Diesmal zeichnet er nur verbal ein Bild, ein einprägsames allerdings. "Man braucht eine Kanone, eine Kugel und Kanonenpulver", sagt er. Der Iran verfüge über alles: ballistische Raketen, Munition, weil im Rahmen des Atomabkommens keine Inspektionen von Militärstützpunkten stattfänden, und angereichertes Uran, das Kanonenpulver von Kernwaffen.

Netanjahu behauptet, dass der Iran jetzt genug angereichertes Material hätte, um eine Bombe zu bauen, in zehn Jahren wegen mangelnder Kontrolle durch das Atomabkommen vielleicht 100 oder mehr.

Der frühere Außenminister der USA, John Kerry, widerspricht in einer leidenschaftlichen Verteidigung des Atom-Abkommens heftig. Er ist auch auf die Sicherheitskonferenz gekommen, um zu demonstrieren, dass nicht alle in den USA das Abkommen so kritisch sehen wie die Trump-Regierung. Kerry spricht von zusätzlichen Inspektoren, die tagtäglich Kontrollen im Iran durchführten. Er erwidert, dass das Argument Netanjahus, Militärstützpunkte würden nicht kontrolliert, an den Haaren herbeigezogen sei. Und er sagt, das angereicherte Uran, über das der Iran verfüge, reiche nicht für eine Bombe. "Es ist physikalisch unmöglich." Kerry bringt keine Gegenstände oder Karten zur Illustration seines Statements mit. Allerdings gerät er so sehr ins Argumentieren, dass ihn die Moderatorin aus Zeitgründen irgendwann unterbrechen muss.

In seinem Auftritt auf der Sicherheitskonferenz nahm der iranische Außenminister Sarif später Bezug auf Netanjahus Angriffe. Die Rede des israelischen Ministerpräsidenten bezeichnete er als "komödiantischen Zirkus, der keiner Antwort würdig" sei. Sarif warf Israel Kriegstreiberei im Nahen Osten vor: Nicht der Iran trete in der Region als Aggressor auf, sondern Israel setze auf "Aggression als Politik seinen Nachbarn gegenüber".

Quelle: n-tv.de

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