Sorge vor neuer Invasion Ukraine schickt Verstärkung an die Grenze zu Belarus

Die Ukraine schließt eine erneute Invasion aus Belarus nicht aus. An der Grenze werden Befestigungen ausgebaut und Truppen verstärkt. Für Unruhe sorgen zudem Beschränkungen für den Zugang zu Wäldern im Nachbarland. Sumpfige Gebiete spielen Kiew jedoch in die Karten.
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat laut eigenen Angaben mit Geheimdiensten über mögliche russische Pläne für eine Offensive aus Belarus in Richtung der Städte Tschernihiw und Kiew beraten. "Wir bereiten Reaktionen auf jeden möglichen Verlauf feindlicher Aktionen vor - falls die Russen es tatsächlich wagen sollten, ihre Aggression auszuweiten. Unsere Streitkräfte in diesem Sektor werden verstärkt", schrieb Selenskyj auf seinem X-Account.
Spekulationen über einen Angriff aus Belarus hatten sich zuletzt verstärkt. Selenskyj hatte Minsk bereits vergangene Woche davor gewarnt, sich in den Angriffskrieg gegen die Ukraine hineinziehen zu lassen und angekündigt, die Truppen im Norden zu verstärken. Am Montag hatten Belarus und Russland eine Übung zum möglichen Einsatz von Atomwaffen begonnen.
Auch westlich von Tschernihiw und Kiew wird sich auf mögliche Attacken aus dem Nachbarland vorbereitet. Das ukrainische Kommando West der Streitkräfte zeigte vor wenigen Tagen Bunkeranlagen, Stacheldraht und Panzersperren. Von einer angeblich "uneinnehmbaren Festung" war die Rede.
"Trotz der trügerischen Stille auf der Seite von Belarus bleiben die ukrainischen Streitkräfte wachsam", hieß es in einer Mitteilung des Westkommandos. "Ein mächtiges System aus Minenfeldern, Gräben und Sperranlagen wird durch das komplexe natürliche Gelände ergänzt – undurchdringliche Wälder, Sümpfe und Flüsse bilden natürliche Hindernisse für den Angreifer."
Belarus schränkt Zugang zu Wäldern ein
Der ehemalige stellvertretende Leiter des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes, Wiktor Jahun, warnte vergangene Woche in sozialen Netzwerken, dass Belarus Beschränkungen für den Zugang zu Wäldern erlassen habe, die an der Grenze zur Ukraine, Polen und Litauen liegen. Dies und der "allgemeine Kontext der jüngsten Erklärungen und Handlungen Minsks zwingen dazu, diese Maßnahmen auch unter militärisch-politischen Gesichtspunkten zu betrachten".
Im Interview mit der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian sagte Jahun später jedoch, er halte eine großangelegte Invasion aus Belarus für unwahrscheinlich, da das Gelände sumpfig und unwegsam sei. Zudem sei es "unmöglich, große Truppenverbände in der Nähe der Grenze verdeckt zu konzentrieren". Es bestehe aber die Gefahr von Sabotagegruppen. Der ständige Druck auf den Norden der Ukraine könnte die Armee zudem zwingen, ihre Reserven zwischen der Front im Osten und der Grenze zu Belarus aufzuteilen.