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Terror von Sri Lanka aus Rache Neues Video von IS-Chef Bagdadi aufgetaucht

Auf seinen Kopf ist eine Prämie von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Lange ist er verschollen und gilt sogar als tot. Doch jetzt wendet sich IS-Führer Al-Bagdadi wieder an die Welt: Die Anschläge von Sri Lanka nennt er die Rache für die Niederlage des IS in Syrien.

Sein "Kalifat" ist zerschlagen, sein Verbleib war lange ein Rätsel, doch jetzt hat sich der mehrfach für tot erklärte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi erstmals seit fast fünf Jahren wieder in einem Video gezeigt. In der mehr als 18 Minuten langen Aufnahme droht Al-Bagdadi dem Westen und seinen Verbündeten damit, der IS werde seinen Kampf gegen die "Ungläubigen" fortsetzen. Die Terrorangriffe von Sri Lanka mit mehr als 250 Toten bezeichnete er als Vergeltung für die Zerstörung des vom IS ausgerufenen Kalifats in Syrien und im Irak: "Das ist Teil der Rache, die die Kreuzfahrer erwartet."

In dem Video sitzt Al-Bagdadi im Schneidersitz auf einer Art Matratze und spricht mit drei Männern, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden. Sein langer grauer Bart scheint teilweise mit Henna gefärbt, er spricht langsam, unterbricht seine Sätze häufig für mehrere Sekunden. Wann genau und wo das Video aufgenommen wurde, ist unklar. Möglicherweise versteckt sich der selbsternannte Kalif mit seinen letzten Kämpfern in der syrischen Wüste oder er ist im Irak untergetaucht.

Das Video verbreitete der IS über seine üblichen Kanäle im Internet. Die Angriffe in Sri Lanka hätten die Herzen der Muslime erfreut, sagt Al-Bagdadi. Der IS hatte die Anschläge in der vergangenen Woche für sich reklamiert. Sri Lankas Regierung hatte als Motiv der Terroristen Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März vermutet. Sri Lankas Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte dem US-Nachrichtensender CNN, die Selbstmordattentäter von Ostern hätten nach Ansicht der Geheimdienste Training durch den IS erhalten.

Mehrfach für tot erklärt

Soweit bekannt trat der inzwischen 47-Jährige IS-Führer Al-Badgadi nur einmal in der Öffentlichkeit auf: Anfang Juli 2014, als er von der Kanzel der Al-Nuri-Moschee in der nordirakischen Großstadt Mossul den "Gehorsam" aller Muslime gegenüber seinem "Kalifat" in Syrien und dem Irak einforderte. Seitdem veröffentlichte seine Gruppe in unregelmäßigen Abständen Audiobotschaften, die von al-Bagdadi stammen sollen. Doch wurde der Iraker, der an Diabetes leidet, nicht wieder in der Öffentlichkeit gesehen. Mehrfach wurde er totgesagt, mindestens einmal wurde er verletzt.

"Er ist nur von drei Menschen umgeben: Seinem älteren Bruder Dschumua, seinem Fahrer und Leibwächter Abdellatif al-Dschuburi, den er seit seiner Kindheit kennt, und seinem Kurier Saud al-Kurdi", sagte der Dschihadismus-Experte Hischam al-Haschemi im März. Er vermutete die vier in der weitläufigen Badia-Wüste im Zentrum Syriens.

Geboren wurde Al-Bagdadi 1971 als Sohn einer armen Familie im zentralirakischen Samarra unter dem Namen Ibrahim Awad al-Badri. Als Junge begeisterte er sich für Fußball und träumte davon, Anwalt oder Soldat zu werden, doch seine mangelhaften Noten und seine schlechten Augen verhinderten beides. So studierte er schließlich in Bagdad Theologie, bevor er nach der US-Invasion 2003 als Anführer einer Dschihadistengruppe in den Untergrund ging.

Die Journalistin Sofia Amara, die einen Dokumentarfilm über ihn gedreht hat, sagte, er mache nicht den Eindruck eines "brillanten Mannes", sondern erscheine eher als "geduldig und arbeitsam". Doch habe der "geheime Planer" schon früh "eine sehr klare Vorstellung" von der Organisation gehabt, die er schaffen wollte. Als er 2004 im Februar von der US-Armee im Gefängnis von Bucca inhaftiert wurde, knüpfte er dafür wichtige Kontakte.

Kontakt mit Saddam Husseins Offizieren

Das Gefängnis im Südirak galt als "Universität des Dschihad", da dort radikale Islamisten mit Militär- und Geheimdienstleuten des gestürzten Baath-Regimes von Saddam Hussein zusammenkamen. "Alle haben gemerkt, dass dieser schüchterne Typ ein feiner Stratege ist", sagt Amara über Al-Bagdadis Zeit in Bucca.

Als er im Dezember 2004 aus Mangel an Beweisen freikam, schloss er sich dem Al-Kaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi an. Als erst al-Sarkawi und dann sein Nachfolger getötet wurden, übernahm der einstige Theologiestudent aus Samarra 2010 unter dem Namen Abu Bakr al-Bagdadi die Führung der Extremisten im Irak. Indem er frühere Offiziere Saddam Husseins anwarb, machte er aus seiner Guerillagruppe eine schlagkräftige Truppe und nannte sie Islamischer Staat. Sie überrannte im Sommer 2014 die nordirakische Großstadt Mossul und drang binnen weniger Wochen bis vor Bagdad vor.

Doch mit Gräueltaten und blutigen Anschlägen machte er sich viele Iraker und Syrer sowie die internationale Gemeinschaft zu Feinden. In den vergangenen Jahren folgte eine Niederlage auf die andere, und nach dem Verlust des letzten Dorfs in Ostsyrien bleiben dem IS-Führer nur noch einige versprengte Zellen.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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