Politik

Sonneborn entschuldigt sich Nico Semsrott tritt aus "Die Partei" aus

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Laut Semsrott ist es nicht der erste Disput mit seinem ehemaligen Parteikollegen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eigentlich will "Die Partei" satirisch auf politische Missstände aufmerksam machen. Nachdem Parteichef Martin Sonneborn aber einen Tweet teilt, der von vielen als rassistisch verstanden wird, zieht der Europaabgeordnete Semsrott Konsequenzen. Er wirft Sonneborn fehlende Kritikfähigkeit vor.

Der Europaabgeordnete Nico Semsrott ist aus der Satirepartei "Die Partei" ausgetreten. Er begründet dies mit einem uneinsichtigen Verhalten des Parteivorsitzenden Martin Sonneborn, nachdem dessen Tweets als rassistisch kritisiert wurden. Semsrott gehe es "weniger um eine Debatte über den Sinn und Zweck von Satire, sondern vielmehr um einen ignoranten Umgang mit Feedback", schreibt er in einer Stellungnahme. Daraus habe der 34-Jährige nun seine Konsequenzen gezogen.

Sonneborn veröffentlichte zuvor einen mittlerweile gelöschten Tweet, dessen Inhalt einige Nutzer als rassistisch auffassten. Später teilte er in Bezug darauf ein früheres Cover der Satire-Zeitschrift Titanic, deren Chefredakteur Sonneborn war.

Semsrott zufolge hat Sonneborn die Kritik ausgeblendet und "seine Machtposition" ausgenutzt, "sobald Betroffene sich gegen Beleidigungen wehren, und stattdessen den Schwerpunkt fälschlicherweise darauf gelegt, dass andere nur zu doof seien, seine Kunst zu verstehen, sich also selbst zum Opfer stilisiert". Semsrott moniert fehlenden Respekt vor den Betroffenen.

Semsrott erklärte, er sei "raus", wenn Sonneborn kein Mitgefühl zeige und nicht verstehe, "dass seine Verantwortung als Vorsitzender von 'Die Partei' mit 50.000 Mitgliedern und zuletzt 900.000 Wähler*innen weit über das hinaus geht, was ein Titanic-Chefredakteur vor 20 Jahren können musste".

Sonneborn entschuldigt sich

Sonneborn reagierte auf Facebook auf den Parteiaustritt. Neben einer Einordnung seiner Aussagen folgte aber auch eine Entschuldigung. Er habe die Wirkung seiner Aussagen unterschätzt. "Wenn ein Witz zu rassistischer Verletzung führt, statt Reflexionsanstöße zu geben oder zumindest ein befreiendes Lachen nach sich zu ziehen, dann ist es ein misslungener Witz. Es tut mir leid, dass Menschen durch die Reproduktion dieser Stereotype verletzt wurden", schreibt Sonneborn. Bei Semsrott bedankte er sich anschließend für die "deprimierende" Zusammenarbeit und wünschte ihm weiterhin viel Erfolg.

Laut der Stellungnahme hatten beide in der Vergangenheit bereits ähnliche, nicht näher genannte Auseinandersetzungen. "Ich habe vor einem Jahr vergeblich zu dieser Thematik mit ihm diskutiert und ihn vor einigen Tagen gebeten, über sein Posting nachzudenken und sich zu entschuldigen. Er hat es nicht gemacht", heißt es weiter. Sein Mandat als Europaabgeordneter wolle Semsrott aber weiterhin behalten.

"Die Partei" wurde 2004 als Satireprojekt gegründet und ist mittlerweile im EU-Parlament sowie seit kurzem im Deutschen Bundestag vertreten. Bei den Europawahlen 2019 erreichte sie mit 2,4 Prozent der Stimmen ihr bislang stärkstes Ergebnis. Die beiden Spitzenkandidaten waren damals Sonneborn und Semsrott.

Quelle: ntv.de, mdi