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Scheitert der Gipfel mit Trump? Nordkorea legt Gespräche auf Eis

Überraschende Kehrtwende in Pjöngjang: Nordkorea droht, das für Juni geplante Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Trump platzen zu lassen. Die Gespräche mit Südkorea sind ausgesetzt. Die Nordkoreaner werten offenbar ein Militärmanöver der USA als Provokation.

Aus Nordkorea kommen unvermittelt frostige Töne: Das Regime in Pjöngjang hat nach Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA ein für Mittwoch angesetztes Treffen mit Vertretern aus Südkorea kurzfristig abgesagt. Der Schritt kommt vollkommen überraschend.

Die Absage erreichte die Südkoreaner kurz nach Mitternacht (Ortszeit Seoul) per Telefonanruf über den sogenannten 'heißen Draht", berichtete die "New York Times". Vertreter aus beiden Staaten wollten eigentlich am Mittwoch am Ort des Waffenstillstands in Panmunjom zusammenkommen, um die weiteren Schritte zur Annäherung zu besprechen. Der Rückzieher der nordkoreanischen Seite habe die Regierung in Südkorea komplett auf dem falschen Fuß erwischt, schrieb das Blatt.

Im dem Anruf seien die Gespräche von der nordkoreanischen Seite "auf unbestimmte Zeit" ausgesetzt worden, hieß es aus Seoul. Grund für den plötzlichen Stimmungswandel ist demnach ein seit Tagen laufendes Militärmanöver, bei dem Einheiten aus den USA und Südkorea unter anderem die Luftverteidigung üben.

Angesichts der verbesserten innerkoreanischen Beziehungen stelle das Militärmanöver eine Provokation dar, soll ein Vertreter Nordkoreas erklärt haben. Daher gebe es keine andere Wahl, als das Treffen abzusagen. Bei dem fraglichen Manöver handelt es sich um gemeinsame Militärübung südkoreanischer und US-amerikanischer Streitkräfte, die jedes Jahr um diese Zeit stattfindet.

Wie am Abend zudem bekannt wurde, droht Nordkorea unter Verweis auf die Militärübung auch das geplante Gipfeltreffen von Machthaber Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump abzusagen. Trump und Kim sollten bisherigen Planungen zufolge eigentlich am 12. Juni in Singapur zusammenkommen. Das Treffen wurde bereits im Vorfeld als historisch eingestuft: Formell befindet sich Nordkorea mit dem Nachbarn im Süden und mit den USA noch immer im Kriegszustand.

Seoul und Washington überrumpelt

Der plötzliche Rückzieher Nordkoreas weckt Befürchtungen, das international weitgehend isolierte Land könne den nach den Olympischen Winterspielen eingeschlagenen Versöhnungskurs abbrechen und sich aus den Verhandlungen mit dem industriell hochentwickelten Südkorea zurückziehen.

Die US-Regierung reagierte überrascht auf die Ankündigungen aus Nordkorea. "Wir machen weiter und treiben die Planungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim Jong Un voran", erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, in einer ersten Stellungnahme aus Washington.

Die von Nordkorea kritisierte US-Militärübung mit Südkorea stellten keinesfalls eine Provokation dar. "Das sind Dinge, die wir auf der ganzen Welt machen", sagte Nauert. Kim Jong Un habe zuvor erklärt, er habe Verständnis dafür, dass den USA die Übungen mit Südkorea wichtig sind.

Die Annäherung der beiden koreanischen Bruderstaaten hatte zuletzt große Hoffnungen geweckt. US-Präsident Trump hatte sich in den vergangenen Wochen wiederholt für seine Linie im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm gelobt und die Fortschritte in den Verhandlungen mit Nordkorea als persönlichen Erfolg verbucht.

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Kim hatte bei innerkoreanischen Gipfelgesprächen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In Ende April im Grenzort Panmunjom zugesagt, sich für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel durch eine "komplette Denuklearisierung" einsetzen zu wollen. Wie und bis wann das Ziel erreicht werden soll, blieb dabei allerdings noch unklar.

Bei dem Gipfeltreffen mit Trump sollte es unter anderem um eine friedliche Lösung des jahrelangen Streits um das Atomprogramm Nordkoreas gehen. Trump hatte mit Blick auf seine Begegnung mit Kim von einem "mit Spannung erwarteten Treffen" gesprochen. Er und sein Gesprächspartner aus Nordkorea würden demnach versuchen, den Gipfel zu einem "sehr besonderen Moment für den Weltfrieden" zu machen. Die nukleare Aufrüstung Nordkoreas gilt als einer der gefährlichsten Konfliktherde der internationalen Politik.

Routine-Manöver "Max Thunder" als Anlass?

Ungeachtet der Entspannungssignale von Seiten Nordkoreas hatten die USA und Südkorea am vergangenen Wochenende eine zweiwöchige Luftverteidigungsübung gestartet. Das Manöver "Max Thunder 18" habe wie geplant am Freitag begonnen, erklärte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Nordkorea wirft den USA bereits seit Jahren vor, durch ihre Übungen mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten, was von Washington und Seoul stets bestritten wurde.

An dem jährlich unter den Namen "Max Thunder" stattfindenden Manöver der Luftstreitkräfte der USA und Südkoreas sollten früheren Berichten südkoreanischer Medien zufolge etwa 100 Kampfflugzeuge teilnehmen. Unter anderem würden sich auch US-Tarnkappenbomber vom Typ F-22 Raptor und B-52-Langstreckenbomber daran beteiligen, berichtete der Rundfunksender KBS.

Washington fordert von der kommunistischen Führung in Pjöngjang den dauerhaften Verzicht auf Atomwaffen. Nordkorea, das den USA generell eine "feindselige Politik" vorwirft, verfügt nach eigenen Angaben über Interkontinentalraketen, die einen Atomsprengkopf bis auf das US-Festland befördern könnten.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa/rts

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