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Kim beaufsichtigte Raketentest Nordkorea wollte "Kriegstreiber" warnen

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Im südkoreanischen Seoul verfolgen Pendler am Hauptbahnhof Bilder des Raketentests.

(Foto: dpa)

Inmitten wachsender Ungewissheit über neue Verhandlungen zu seinem Atomwaffenprogramm reizt Nordkorea Südkorea und die USA mit neuen Raketentests. International löst das Besorgnis aus, doch die US-Regierung hält sich auffallend zurück.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat den international scharf kritisierten Raketentest vom Donnerstagmorgen laut Staatsmedien persönlich beaufsichtigt. Kim habe das Abfeuern der "neuartigen taktischen Lenkwaffe" persönlich "organisiert und angeleitet", schrieb die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Der Waffentest sei eine "Warnung" an die südkoreanischen "Kriegstreiber" gewesen.

Erste Analysen durch Südkorea legten nahe, dass das weitgehend isolierte Nachbarland gegen internationale Sanktionen verstoßen haben könnte. Die US-Regierung reagierte schmallippig auf die Aktion Pjöngjangs. Das Außenministerium forderte ein Ende der "Provokationen". Außenamtssprecherin Morgan Ortagus bekräftigte zugleich den Willen der USA, den Atomkonflikt mit Nordkorea auf diplomatischem Wege zu lösen.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte im Sender Bloomberg Television, er rechne mit einer Wiederaufnahme der Atomgespräche mit Pjöngjang in den kommenden Wochen. Die Raketentests bezeichnete er als taktisches Manöver vor den Verhandlungen. "Jeder versucht, sich auf die Verhandlungen vorzubereiten, Druck aufzubauen und für die andere Seite ein Risiko zu schaffen", sagte Pompeo. Er gehe davon aus, dass eine Verhandlungslösung im Atomkonflikt möglich sei.

Auch US-Präsident Donald Trump zeigte sich bemüht, den Raketentests keine allzu große Bedeutung beizumessen. "Sie haben wirklich nur kleinere Raketen getestet", sagte er dem Sender Fox News. "Das ist etwas, was viele testen." US-Präsident Donald Trump betonte, er habe gute Beziehungen zu Kim Jong Un.

Berlin sieht "schwerwiegenden Verstoß"

Der Ständige Ausschuss des nationalen Sicherheitsrats in Seoul erklärte, man betrachte die von Nordkorea abgefeuerten Projektile als "einen neuartigen Typ ballistischer Raketen von kurzer Reichweite". Es würden aber in Zusammenarbeit mit den USA noch weitere Analysen durchgeführt, um zu einer endgültigen Beurteilung zu kommen. Das Komitee äußerte sich sehr besorgt. Solche Tests durch Nordkorea seien "für die Bemühungen wenig hilfreich, die militärischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu verringern".

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, jeder ballistische Raketentest stelle einen "schwerwiegenden Verstoß" gegen die Verpflichtungen Nordkoreas aus UN-Resolutionen dar. Er stärke zudem die "Zweifel an der Bereitschaft Pjöngjangs zur Aufgabe seines ballistischen Raketen- und Nuklearwaffenprogramms". Nordkorea müsse "jede Provokation" unterlassen und "konkrete und glaubwürdige Schritte hin zur kompletten, verifizierbaren und irreversiblen Denuklearisierung" unternehmen.

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UN-Resolutionen verbieten Nordkorea - das mehrfach Atombomben getestet hat - die Starts von ballistischen Raketen kurzer, mittlerer und langer Reichweite. Solche Raketen sind in aller Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können. Nach den Angaben des südkoreanischen Militärs flog eine Rakete in einer Höhe von 50 Kilometern etwa 430 Kilometer, die zweite 690 Kilometer weit. Beide Raketen seien ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) gestürzt. Als Kurzstreckenraketen gelten Raketen unterhalb einer Reichweite von 1000 Kilometern.

Provokation mit Ansage

Die neuen Waffentests kommen nicht ganz unerwartet. In Südkorea wurden sie als Zeichen des Unmuts der kommunistischen Führung in Pjöngjang über neue Manöver gesehen, die die USA und Südkorea für August planen. Nordkorea hatte deswegen kürzlich auch die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den USA infrage gestellt.

Experten vermuten, dass die nun erprobte Rakete sowohl mit konventionellem Sprengkopf als auch mit einem Atomsprengkopf bestückt werden kann. "Falls die Rakete tatsächlich zweifach einsetzbar ist, könnten die heute demonstrierten verschiedenen Distanzen eine schwerere konventionelle Nutzlast und eine nukleare Nutzlast von geringer Masse nachahmen", schrieb der Sicherheitsexperte der Föderation amerikanischer Wissenschaftler, Ankit Panda, auf Twitter. Das wäre eine "sehr schlechte Entwicklung".

Nordkorea versucht seit einiger Zeit, den Druck auf die USA zu erhöhen. In der vergangenen Woche deutete Pjöngjang die Möglichkeit an, das Moratorium für Tests von Atombomben und Interkontinentalraketen aufzuheben. Der jüngste Raketentest sei "eine erwartete Schau der Stärke", zitierte der US-Sender NBC einen Regierungsbeamten in Washington.

Quelle: n-tv.de, ino/AFP/dpa