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Erste Luftangriffe gemeldet Offensive auf Idlib könnte kurz bevorstehen

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Die syrische Armee hat in den meisten Gebieten wieder die Kontrolle - wie hier in der zurückeroberten Stadt Al-Mal in der Provinz Daraa.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Syrien ist die Provinz Idlib die letzte große Bastion der Rebellen. Nun steht ein geplanter Großangriff des Assad-Regimes in der Region möglicherweise kurz bevor. Aktivisten zufolge fliegt der Verbündete Russland bereits erste Angriffe.

Die syrischen Regierungstruppen bereiten sich nach Angaben Russlands derzeit auf eine Offensive in der Rebellenhochburg Idlib vor. "Wir wissen, dass sich die syrischen Streitkräfte darauf vorbereiten, dieses Problem zu lösen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow mit Blick auf die Rebellengruppen in Idlib. In der Region im Nordwesten Syriens hielten sich zahlreiche "Terroristen" versteckt, was zu einer "allgemeinen Destabilisierung der Lage" führe. Einen Zeitplan für die Offensive nannte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin nicht. Russland ist der wohl wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad.

Nach Angaben von Aktivisten flogen russische Kampfflugzeuge an diesem Dienstag bereits Luftangriffe auf mehrere Ziele im Süden und Südwesten der Provinz. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von etwa 45 Bombardements. Dabei seien mindestens zwölf Menschen getötet und 30 verletzt worden. Betroffen waren unter anderem der von der Dschihadistenmiliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS) kontrollierte Ort Dschisr al-Schughur und die von anderen Rebellen kontrollierte Ortschaft Ariha. Auch ein Kommandeur der Rebellengruppe der Nationalen Befreiungsfront (NLF) bestätigte Angriffe auf Dörfer in Idlib.

Kreml-Sprecher Peskow wollte sich nicht zu den Angaben der Beobachtungsstelle äußern. Auch das russische Verteidigungsministerium gab zunächst keine Stellungnahme ab. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Drei Millionen Zivilisten durch Angriff bedroht

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Die syrische Regierung droht seit Wochen mit einer Offensive auf Idlib, welche die letzte Rebellenbastion des Landes ist. In der Region an der Grenze zur Türkei, die überwiegend von islamistischen Kämpfern kontrolliert wird, leben fast drei Millionen Menschen, davon 1,4 Millionen Vertriebene aus anderen Landesteilen. Da die Aufständischen dort keine Ausweichmöglichkeit innerhalb Syriens haben, drohen erbitterte Kämpfe - oder eine Massenflucht in die Türkei. Die Vereinten Nationen warnen vor der größten humanitären Katastrophe im 21. Jahrhundert. Demnach leben in Idlib allein mehr als eine Million Kinder.

Syriens Machthaber Assad hat in den vergangenen Wochen eine große Zahl von Truppen um Idlib zusammengezogen. Russland und der Iran betonen, die Extremistengruppen in Idlib müssten besiegt werden. Es wird erwartet, dass beide Länder die syrischen Regierungstruppen bei einer Offensive unterstützen.

Türkei verstärkt Grenze zu Syrien

Idlib liegt nur etwa 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die Türkei bereitet sich auf den geplanten Großangriff der syrischen Regierung vor. Einem Medienbericht zufolge hat sie weiteres Kriegsgerät in die Grenzregion gebracht. Acht Frachtfahrzeuge beladen mit Panzern und schweren Geschützen hätten die Grenzprovinz Kilis passiert, meldete die Zeitung "Hürriyet".

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, auch in der weiter südwestlich gelegenen Grenzprovinz Hatay seien Lastwagen mit Panzern darauf angekommen. Sie sollten später in Grenzbezirke gebracht werden, um dort Befestigungen zu verstärken. Andere Lastwagen hätten vier Meter lange Zementblöcke mit einem Gewicht von je zwölf Tonnen zu türkischen Posten auf der syrischen Seite der Grenze gebracht.

Die Türkei unterhält in der Provinz zwölf Beobachtungsposten und ist Schutzmacht einer De-Eskalationszone. Die Panzer habe das Militär auf die andere Seite der Grenze gebracht. Sie sollen laut Quellen aus Sicherheitskreisen helfen, mögliche Flüchtlingswellen in Richtung Türkei aufzuhalten, berichtete "Hürriyet" weiter. Die Fahrzeuge seien mit Systemen ausgestattet, mit denen sich Migrationsbewegungen beobachten ließen. Die Türkei beherbergt schon mehr als drei Millionen syrische Flüchtlinge. Dem Bericht zufolge hat sie auf der syrischen Seite auch das große Atme-Flüchtlingslager weiter ausgebaut.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa

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