Angriff "soll Angst auslösen"Putin schickt angebliche Wunderrakete Oreschnik mit leeren Sprengköpfen

Zum zweiten Mal greift Russland die Ukraine mit einer Oreschnik-Rakete an. Mehrere Experten sehen in ihr vor allem ein Instrument, mit dem der Kreml im Westen Angst verbreiten will. Dafür sprechen auch Hinweise bei der jetzigen Attacke auf die Region Lwiw.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Angriff mit einer ballistischen Oreschnik-Mittelstreckenrakete durch Russland bestätigt. Diese sei vom Testgelände Kapustin Jar in der Region Astrachan in der Nacht gestartet worden, teilte die Luftwaffe mit. Russland hatte bereits kurz darauf von einem Angriff mit einer Oreschnik gesprochen. Die Rakete soll laut früheren Angaben aus Moskau mit konventionellen und atomaren Sprengköpfen bestückt werden können.
Experten zufolge waren die bei diesem Angriff verwendeten Sprengköpfe der Rakete leer. Mit dem Angriff wolle Russland vor allem Angst verbreiten, hieß es. Der Militärexperte Nico Lange schrieb auf X: "Das ist der zweite Einsatz einer Oreschnik (RS26 Rubesch) mit leeren Sprengköpfen gegen die Ukraine, es gab vor einiger Zeit einen solchen Einsatz gegen Dnipro. Zwischenzeitlich gab es mehrere erfolglose Startversuche dieses Raketentyps."
Der Gründer der proukrainischen Analysegruppe Frontelligence Insight schrieb, die Nutzung auf konventionelle Weise, ohne Nutzlast, sei "vielleicht die groteskeste, konventionell kostspieligste und ineffektivste Verwendung einer ballistischen Mittelstreckenrakete. Der Angriff "scheint sich vor allem an Ausländer zu richten, von denen Putin wahrscheinlich annimmt, dass sie sich erschrecken und eine Deeskalation mit ihm anstreben würden".
Behörden der westukrainischen Region Lwiw nahe der polnischen Grenze sprachen von Explosionen durch die nächtlichen Atacken. Es soll eine kritische Infrastruktureinrichtung getroffen worden sein. "Bei dem Angriff wurden keine Wohngebäude oder zivilen Einrichtungen beschädigt."
Dass die Oreschnik leere Sprengköpfe hatte, muss nicht zwangsweise heißen, dass sie keinen Schaden anrichtete. Laut des ukrainischen Luftkommandos West war die Rakete mit einer extrem hohen Geschwindigkeit von 13.000 Kilometern pro Stunde unterwegs. So kann vor allem durch kinetische Energie Schaden entstehen. Beim erstmaligen Angriff auf Dnipro 2024 soll sich dieser jedoch in Grenzen gehalten haben. Die USA hatten damals erklärt, dass Russland die Rakete auf der Grundlage des bestehenden russischen Interkontinentalraketenmodells RS26 Rubesch entwickelt habe. Das Institute for the Study of War bescheinigte Moskau keine grundlegend neue Fähigkeit.
"Aggressor niemals geben, was er will"
Der ukrainische Journalist Illia Ponomorenko schrieb hämisch auf X: "Mit dem nächsten absolut furchterregenden Demonstrationsschlag mit leeren Dummy-Sprengköpfen aus einer alten sowjetischen Interkontinentalrakete - die für die Medien nicht mal so spektakuläre Bilder liefern wird wie beim ersten Mal - werden selbst die beeindruckbarsten Ausländer nur mit den Schultern zucken. Putin hingegen wird sich weiterhin vor Freude über sein Spielzeug und die Märchen, die ihm seine Generäle darüber erzählen, vor Vergnügen winden."
Die russische Seite verkauft die Oreschnik immer wieder als Wunderwaffe, die angeblich von keiner Flugabwehr abgeschossen werden kann. Beweise dafür gibt es nicht, doch unter anderem durch die hohe Geschwindigkeit könnte sich ein Abschuss als ziemlich schwierig darstellen.
Zuletzt wurden laut Angaben aus Minsk Oreschnik-Raketen in Belarus stationiert. "Diese Rakete soll Angst auslösen, auch bei uns. Man sollte dem Aggressor niemals geben, was er will", hieß es von der stellvertretenden Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Agnieszka Brugger.