Politik

Falsche Prioritäten bei Corona? Palmer: Gerettete sowieso bald tot

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Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer fordert unterschiedliche Vorkehrungen für Jung und Alt.

(Foto: picture alliance / Silas Stein/d)

Immer wieder polarisiert Boris Palmer mit seinen Aussagen. Die Corona-Maßnahmen stehen ihm zufolge in keinem Verhältnis zu den wirtschaftlichen Folgen. Viele schwer an Covid-19 erkrankte Menschen hätten ohnehin keine lange Lebenserwartung mehr. Aus der Wissenschaft kommt Gegenwind.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat erneut eine Lockerung der Corona-Maßnahmen gefordert und dabei drastische Worte gewählt. "Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären", sagte der Grünen-Politiker im Sat.1-Frühstücksfernsehen. Es müsse unterschiedliche Sicherheitsvorkehrungen für Junge und Ältere geben.

Palmer zufolge handelt es sich bei dem Großteil der an einer Corona-Infektion Gestorbenen um Menschen mit Vorerkrankungen, die ohnehin nicht mehr lange zu leben gehabt hätten. "Wenn Sie die Todeszahlen durch Corona anschauen, dann ist es bei vielen so, dass viele Menschen über 80 sterben - und wir wissen, über 80 sterben die meisten irgendwann", so Palmer. Seiner Meinung nach sind die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns gravierender und könnten etwa das Leben armutsbedrohter Kinder kosten.

Der Direktor des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, Dietrich Rothenbacher, betonte dagegen, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung gebe. Laut einer Studie aus China starben in einer Patientengruppe von 35- bis 58-Jährigen 8,1 Prozent. "Die Gefährlichkeit einer Erkrankung kann auch nicht nur an der Zahl der absoluten Todesfälle festgemacht werden, sondern in der Tat sollte die Anzahl der verlorenen Lebensjahre benannt werden", teilte Rothenbacher mit. Diese Zahlen gebe es für Covid-19 noch nicht.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

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