Politik

"Tübinger Appell" Palmer will Fokus auf die Senioren legen

Boris Palmer ist bekannt dafür, umstrittene Wege einzuschlagen. In der Corona-Krise nimmt er sich nun ein Beispiel an Schweden und appelliert an die Eigenverantwortung der Tübinger Bürger. Einen gravierenden Unterschied zum skandinavischen Vorbild gibt es allerdings.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen in einem Appell Senioren in seiner Stadt dazu aufgerufen, unter anderem den Stadtbus nicht zu nutzen. "Der Tübinger Appell setzt wie Schweden auf Eigenverantwortung und besonderen Schutz der Alten", sagte er der "Bild"-Zeitung. Schweden hatte in der Pandemie vor allem auf freiwillige Vorsichtsmaßnahmen gesetzt, die sich vor allem an ältere Bürger richteten. Palmer hatte sich in den vergangenen Tagen kritisch zu den von Bund und Ländern beschlossenen Einschränkungen geäußert.

Der schwedische Umgang mit dem Coronavirus ist hochumstritten. In der ersten Jahreshälfte hatte das Land gemessen an seiner Einwohnerzahl extrem viele Todesopfer zu beklagen. Der Tübinger Appell, den Palmer gemeinsam mit Bürgermeister Cord Soehlke und Bürgermeisterin Daniela Harsch sowie der Kreisvorsitzenden des Roten Kreuzes und dem Ärztlichen Direktor der Tübinger Uniklinik unterzeichnete, setzt im Unterschied zu Schweden auf freiwillige Verhaltensmaßnahmen zusätzlich und nicht als Ersatz zu den seit dem heutigen Montag verpflichtenden Beschränkungen im Rahmen des deutschlandweiten Teil-Lockdowns.

"Damit wir mit den nun beschlossenen Entbehrungen die erhoffte Eindämmung des Coronavirus erreichen, möchten wir an Sie alle appellieren, die neuen Regeln nicht nur zu respektieren, sondern einen Schritt weiterzugehen", heißt es in dem Aufruf an die Tübinger Bevölkerung. Jeder Kontakt solle auf seine Notwendigkeit geprüft werden. Senioren sollten unabdingbare Fahrten mit einem Sammeltaxi unternehmen, so Palmer. "Wir bitten alle, die fit genug sind, nicht den Bus, sondern das Fahrrad zu nutzen, auch wenn es jetzt kälter wird", heißt es unter anderem in dem Appell.

Zudem sollten jüngere Menschen in Tübingen zwischen 9.30 und 11 Uhr nicht einkaufen gehen und diese Zeit den Senioren überlassen. Alle Menschen in Tübingen über 65 Jahre sollen zudem kostenlos mit hochwertigen FFP2-Masken versorgt werden.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa