Politik

"Soll wahrheitsgemäß kritisieren"Papst Leo nennt Trumps Verbal-Attacke unwahr

06.05.2026, 11:30 Uhr
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"Die Kirche spricht sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus", sagt Papst Leo XIV. in Richtung des US-Präsidenten. (Foto: picture alliance/dpa/AP | Evan Vucci; picture alliance / Stefano Spaziani | Stefano Spaziani)

Es ist ein beispielloser Tiefpunkt in den Beziehungen des Vatikans zu den USA: Präsident Trump und Papst Leo liefern sich wegen des Iran-Krieges einen öffentlichen Schlagabtausch. Kurz vor dem Vatikan-Besuch des US-Außenministers Rubio reagiert der Pontifex erneut auf Trump.

Papst Leo XIV. hat die jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump umgehend zurückgewiesen und bezeichnete sie als unwahr. "Wer mich für die Verkündigung des Evangeliums kritisieren will, soll dies wahrheitsgemäß tun", sagte der Pontifex laut "Washington Post" zu Journalisten vor der päpstlichen Residenz Castel Gandolfo, 24 Kilometer südlich von Rom. "Die Kirche spricht sich seit Jahren gegen alle Atomwaffen aus, daran besteht kein Zweifel. Ich hoffe einfach, dass man mir aufgrund des Wertes von Gottes Wort Gehör schenkt."

Zuvor hatte Trump erneut einen verbalen Angriff auf Leo gestartet. Im Gespräch mit Hugh Hewitt, einem bekannten konservativen Radiomoderator des US-amerikanischen Nachrichtensenders "Salem News", sagte Trump, der Papst "spreche lieber darüber, dass es in Ordnung sei, wenn der Iran Atomwaffen besitze, und ich glaube nicht, dass das sehr gut ist". Dann fügte der US-Präsident hinzu: "Ich glaube, er gefährdet viele Katholiken und viele andere Menschen. Aber wenn es nach dem Papst geht, findet er es wohl völlig in Ordnung, dass der Iran Atomwaffen besitzt."

Der Wortwechsel verdeutlichte erneut, was Vatikanbeamte laut "Washington Post" intern als einen beispiellosen Tiefpunkt in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten im Vorfeld des Italien-Besuchs des US-Außenministers Marco Rubio in dieser Woche bezeichnet haben. Der Chefdiplomat der USA wird am Donnerstag zu einer geplanten Audienz bei Papst Leo erwartet. Ziel des Treffens ist laut der britischen Tageszeitung "The Guardian", die Spannungen abzubauen, die durch Trumps vorherige Angriffe auf das katholische Kirchenoberhaupt entstanden waren. Die Reise Rubios fällt mit dem ersten Jahrestag von Leos Pontifikat zusammen.

Die direkte Kritik eines amerikanischen Präsidenten am spirituellen Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken weltweit ist äußerst selten. Trump hatte Leo bereits im April vorgeworfen, sich mit einem Land gemein zu machen, "das eine Atomwaffe will". Der US-Präsident bezeichnete den in Chicago geborenen Papst zudem als schwach und behauptete, dieser mache seine Sache als Pontifex nicht gut. Wütend gemacht hatte Trump die Kritik des Papstes am Krieg der USA und Israels gegen den Iran.

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Öffentlicher Schlagabtausch

Das katholische Kirchenoberhaupt verurteilte im April die "sinnlose und unmenschliche Gewalt" im Iran und sagte, Christen könnten nicht an der Seite jener stehen, die "heute Bomben abwerfen". In seiner ersten Osterbotschaft sagte Leo vor Gläubigen im Petersdom: "Genug des Krieges!" Jedoch hat er nie gesagt, dass der Iran Atomwaffen besitzen sollte.

Auch US-Vizepräsident JD Vance hatte den Papst daraufhin scharf kritisiert und gesagt, der Vatikan solle sich "auf Fragen der Moral beschränken" und Leo solle vorsichtig sein, wenn es um Gespräche über Theologie und Krieg gehe. Der als Protestant aufgewachsene Vance war 2019 zum Katholizismus konvertiert.

Der Papst entgegnete daraufhin, er habe "keine Angst" vor der Trump-Regierung und sehe es als seine "moralische Pflicht", sich gegen den Krieg auszusprechen. Später bedauerte Leo jedoch, dass Äußerungen von ihm als kritische Anspielung auf Trump wahrgenommen worden seien.

Rubio erklärt Trumps Attacke

Die Angriffe der US-Regierung hatten im Vatikan für Verärgerung gesorgt und konservative Katholiken in den USA gespalten. Vor seiner Reise nach Rom hat US-Außenminister Rubio am Dienstag versucht, jegliche Spekulationen über eine mögliche Spaltung auszuräumen und erklärte, sein Treffen sei bereits vor Trumps verbalen Angriffen auf den Papst im vergangenen Monat geplant gewesen. 

Rubio versuchte zudem Trumps Äußerungen zu präzisieren und sagte laut "Washington Post" zu Journalisten: "Ich glaube, der Präsident hat im Grunde gesagt, dass der Iran keine Atomwaffe besitzen kann, weil er sie gegen Orte einsetzen würde, an denen viele Katholiken und Christen leben, und auch gegen andere Bevölkerungsgruppen."

Rubio sagte demnach, sein Treffen mit dem Papst am Donnerstag werde sich um eine Reihe von Themen drehen, darunter Afrika nach der jüngsten Reise des Papstes, Probleme bei der Verteilung humanitärer Hilfe in Kuba sowie Bedenken hinsichtlich der Religionsfreiheit.

Quelle: ntv.de, gut

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