Politik

Kinder von Eltern getrennt Paris ist "schockiert" über US-Grenzpolitik

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Scharfe Kritik gibt es etwa an der Unterbringung der Kinder in Käfigen.

(Foto: REUTERS)

Wer illegal die Grenze in die USA übertritt, wird verhaftet. Kinder werden dann von ihren Familien getrennt. Dieses Vorgehen der Behörden stößt auf immer mehr Kritik, auch aus dem Ausland. Unicef befürchtet schlimme Folgen für die betroffenen Kinder.

Die Migrationspolitik von US-Präsident Donald Trump stößt in den USA, aber auch im Ausland immer stärker auf Widerstand. So kritisierte Frankreich die Familientrennungen an der US-Grenze zu Mexiko scharf. Regierungssprecher Benjamin Griveaux nannte die Bilder von der Grenze im TV-Sender France 2 "schockierend". "Ich will nicht, dass in Europa so etwas geschieht wie in den USA", betonte er. Europa und die USA hätten "nicht dasselbe Zivilisationsmodell" und teilten "bestimmte Werte" nicht, sagte Griveaux.

Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef verurteilte das Vorgehen. "Geschichten von Kindern, einige noch Babys, die von ihren Eltern getrennt werden, die Zuflucht in den USA suchen, sind herzzerreißend", sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. "Die Situation ist inakzeptabel", sagte ein Unicef-Sprecher in Genf. "Man kann seine Grenzen und die Rechte von Kindern gleichzeitig schützen."

Seit Mitte April wurden nach Angaben des US-Innenministeriums 2000 Kinder von Migranten, die in die USA einreisen wollten, von ihren Familien getrennt. Im Zuge der "Null-Toleranz"-Politik von US-Präsident Trump werden alle Menschen festgenommen, die illegal die Grenze von Mexiko aus überqueren. Da Kinder nicht mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen, werden die Familien getrennt und in Auffanglager oder Pflegefamilien geschickt. Die USA wollen dadurch Migranten abschrecken, die ohne Visum in die USA gelangen wollen.

Vor allem von den Behörden veröffentlichte Bilder aus einem Lager sorgten für Entrüstung. Sie zeigen Kinder und Jugendliche in Zellen aus Maschendraht. US-Medien sprachen von Einschränkungen in der Berichterstattung durch die Behörden. So durften Journalisten selbst keine Kameras beim Besuch des Kinder-Aufnahmelagers mitnehmen, wie der Sender CBS berichtete.

Traumatisches Erlebnis für Kinder

US-Justizminister Jeff Sessions und Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen hatten das Vorgehen am Montag verteidigt. Sie sehe keinen Anlass zu einer Entschuldigung, sagte Nielsen. Trump selbst weist den oppositionellen Demokraten die Schuld für die von ihm und Sessions eingeführte Praxis zu. Die Demokraten blockieren Trump zufolge ein besseres Einwanderungsgesetz im Kongress. Die bisherige Gesetzgebung schreibt der Regierung nicht vor, Kinder von ihren Eltern zu trennen.

Unicef verweist darauf, dass die Trennung traumatisch für Kinder sei, dass sie Gefahr liefen, ausgenutzt oder missbraucht zu werden und dass der Stress Langzeitfolgen haben könne. Nach Kenntnis des Unicef-Sprechers hat die Organisation aber - anders als in Konfliktgebieten anderswo auf der Welt - bislang keinen Zugang zu den Kindern verlangt, um ihr Wohlergehen zu überprüfen. Die USA haben als einziges UN-Mitglied die UN-Kinderrechtskonvention nicht ratifiziert.

Auch bei der US-Bevölkerung wächst die Kritik am Vorgehen der Regierung. Wie aus einer vom Sender CBS am Montag veröffentlichten Umfrage hervorgeht, halten es 67 Prozent der Befragten für "inakzeptabel", Kinder von ihren Eltern zu trennen. Die Umfrageergebnisse zeigen aber auch eine scharfe Trennlinie zwischen den Positionen von Republikanern und Demokraten: 36 Prozent von Trumps Wählern finden diese Praxis in Ordnung, 39 Prozent sind gegen diese Maßnahmen. Vor allem jüngere und moderate Republikaner gaben an, Familien zu trennen, sei inakzeptabel. Bei den Demokraten sagen dies 90 Prozent.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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