Politik

Fischerei-Konflikt vor Jersey Paris schickt Marineboot an britische Insel

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Der Streit um die Fangquoten im Ärmelkanal hatte sich am Brexit entzündet.

(Foto: MARC LE CORNU via REUTERS)

Eine Gruppe von französischen Fischern hat offenbar beschlossen, ihre Ansprüche auf Fangquoten vor Jersey selbst durchzusetzen: Mit ihren Booten hindern sie seit dem Morgen die Schiffe im Hafen von St. Helier am Auslaufen. Die französische Marine schickt zusätzlich ein Patrouillenboot in die Region.

Im Streit um Fischerei-Lizenzen für französische Schiffe im Ärmelkanal hat Frankreich ein Marineboot in die Gegend vor der Kanalinsel Jersey geschickt, um eine "Patrouillen-Mission" durchzuführen. Das berichtet der britische Sender "Sky News". Die französischen Behörden wollten damit "die Sicherheit" der Menschen auf dem Meer "garantieren und die Flotte an französischen Fischerbooten begleiten", die derzeit vor der Insel demonstrieren. Die französischen Fischer hätten sich mit ihren Booten am Donnerstagmorgen so im Hafen von St. Helier positioniert, dass Fischerboote aus dem britischen Kronbesitz Jersey nicht auslaufen konnten, berichtete der Sender France 3.

Sie seien in der Nacht zu Donnerstag etwa aus dem Küstenort Barneville-Carteret begleitet von einigen Fischern aus der Bretagne in Richtung Jersey aufgebrochen. Der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge haben sich vor St. Helier mehr als 50 französische Fischerboote versammelt. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte bereits am Mittwochabend zwei Patrouillenboote der Royal Navy zu der Insel geschickt, um die Lage zu überwachen, wie ein Regierungssprecher sagte. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, eine Blockade der Insel solle verhindert werden.

Jersey ist als Kronbesitz nicht Teil des Vereinigten Königreichs, London ist aber für die Außen- und Verteidigungspolitik verantwortlich. In einem Telefonat mit Jerseys Verwaltungschef John Le Fondre und dem für Außenangelegenheiten zuständigen Senator Ian Gorst habe Johnson seine "ungebrochene Unterstützung" unterstrichen. Zugleich habe er auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Lage zu deeskalieren, sagte der Sprecher.

Aus Ärger über die angeblich schleppende Vergabe von Fischerei-Lizenzen auf der Kanalinsel für französische Fischer hatte die französische Meeresministerin Annick Girardin mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht und dabei die Stromversorgung Jerseys über ein Unterseekabel erwähnt. Jersey erhält 95 Prozent seiner Elektrizität über drei Unterwasserkabel aus dem nur 25 Kilometer entfernten Frankreich.

Nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU war es zu einem Streit über Gesamtfangmengen und deren Aufteilung gekommen. Zeitweise drohten die Verhandlungen über einen Brexit-Handelspakt an der Fischfrage zu scheitern. Bei Frankreichs Fischern herrscht schon seit Längerem Wut über den Zugang zu britischen Gewässern nach dem Brexit. In der Vergangenheit kam es im Ärmelkanal zu Zusammenstößen von britischen und französischen Fischern.

Quelle: ntv.de, jhe/dpa

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