Politik

Verbot in der Diskussion Parteien streiten über Corona-Demos

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Die Demonstranten auf der Straße des 17. Juni trugen keine Masken und achteten auch sonst nicht auf die geltenden Hygienevorschriften.

(Foto: imago images/Future Image)

Fast 20.000 Menschen kommen am Wochenende zu einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen nach Berlin. Alle Teilnehmer missachten dementsprechend die Regeln. Nun entbrennt innerhalb der Koalition ein Streit über ein generelles Verbot solcher Demos.

Der Umgang mit möglichen Verboten von Demonstrationen der Corona-Leugner sorgt für Differenzen in der großen Koalition. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht von der SPD sprach sich gegen solche Maßnahmen aus, Innen-Staatssekretär Stephan Mayer von der CSU bezeichnete sie hingegen nun als prinzipiell vertretbar. Ein Nein zu Verboten kam auch aus der FDP. Außenstaatsminister Michael Roth von der SPD warf den Demonstranten derweil "Ignoranz" und "beschämendes Verhalten" vor.

Lambrecht sagte dem "Spiegel", es sei "ganz wichtig, dass wieder Demonstrationen stattfinden können und Menschen dort ihre Meinung, auch zur aktuellen Corona-Politik der Bundesregierung, frei und öffentlich äußern können." Es sei "aber verstörend und nicht hinnehmbar, wenn dabei bewusst und provokativ gegen die geltenden Corona-Schutzvorschriften verstoßen wird", fügte die Ministerin hinzu. Werde gegen Regeln und Auflagen verstoßen, müssten die Vorschriften von den Behörden vor Ort konsequent durchgesetzt werden, sagte sie. Dies gelte "unabhängig davon, welches Ziel die jeweilige Demonstration hat".

Demos "kein rechtsfreier Raum"

Auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus bezeichnete die Demonstrationsfreiheit als hohes Gut. "Das sollten wir uns auch erhalten", sagte er zu "Welt TV". Allerdings seien Demonstrationen "kein rechtsfreier Raum": Wenn gegen Hygieneregeln verstoßen werde, müsse die Demonstration abgebrochen werden.

Demgegenüber schrieb der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Mayer, in einem Beitrag für die "Rhein-Neckar-Zeitung", "die ausreichende Überwachung der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen muss weiterhin höchste Priorität haben". Die Landesbehörden müssten abwägen, inwieweit "man aufgrund der negativen Erfahrungen des Demonstrationsgeschehens vom Wochenende bei der Genehmigung von Versammlungen zukünftig restriktiver zu entscheiden hat".

Hingegen wandten sich auch SPD-Ressortchefs aus den Ländern gegen Verbote. Berlins SPD-Innensenator Andreas Geisel sagte dem "Spiegel", Grundrechte dürften nur zeitlich begrenzt und mit guter Begründung eingeschränkt werden. "In Berlin stehen alle Corona-Ampeln noch auf Grün. Da sind neuerliche Verbote schwer zu begründen."

Der rheinland-pfälzische Innenminister und SPD-Landeschef Roger Lewentz sagte: "Wir haben ausreichend Mittel, Versammlungen aufzulösen, die aus dem Ruder laufen. Eine Verschärfung ist da absolut nicht notwendig."

Generelle Verbote gesetzeswidrig

FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae schrieb in der "Rhein-Neckar-Zeitung", das Bundesverfassungsgericht habe generelle Verbote schon vor Monaten für grundgesetzwidrig erklärt. "Deswegen ist es falsch, wenn Stimmen aus der CDU Demonstrationen wegen der Corona-Krise generell infrage stellen."

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Der SPD-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, machte den Teilnehmern der Corona-Großdemonstration vom Wochenende schwere Vorwürfe. Die Demonstranten hätten mit ihrem "beschämenden Verhalten bar jeglicher Sachkenntnis und unter völliger Ignoranz von Zahlen, Daten und Fakten uns alle einem Risiko ausgesetzt", sagte Roth. "Die Verantwortungslosigkeit einiger weniger wird zum Risiko vieler."

Bei der Demonstration von gut 20.000 Kritikern der Corona-Politik am Samstag in Berlin waren die Auflagen bewusst missachtet worden: Der Mindestabstand wurde nicht eingehalten, kaum jemand trug eine Maske. Danach waren unter anderem Forderungen laut geworden, derartige Veranstaltungen von vornherein zu untersagen.

Quelle: ntv.de, nan/AFP