Politik

Höcke entzweit die AfD "Peinlich, aggressiv, völkisch-national"

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Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im Landtag Thüringen in der ARD-Talkshow Günther Jauch. Thema der Sendung war: Pöbeln, hetzen, drohen: Wird der Hass gesellschaftsfähig?

imago/Stefan Zeitz

Nach dem Auftritt von Björn Höcke bei Günther Jauch meldet sich die AfD zu Wort. Die Parteispitze um Frauke Petry stellt sich gegen den thüringischen Landeschef. Drohen der AfD neue Flügelkämpfe?

Die Produktionsfirma von Günther Jauch veröffentlichte zu Wochenbeginn ein Statement. "Für den demokratischen Prozess ist es wünschenswert und notwendig, dass in einer aktuellen Diskussion alle Seiten zu Wort kommen." Nach der Kritik an der Einladung des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke sahen sich die Fernsehmacher in der Pflicht, ihre Entscheidung zu rechtfertigen.

Auch vier Tage nach der Sendung ist der Auftritt, bei dem Höcke eine Deutschlandfahne über seine Sessellehne gelegt hatte, noch immer ein Thema. Kritiker werfen Jauch vor, dem rechtspopulistischen Politiker eine Bühne geboten zu haben. Auch in der AfD beurteilen viele den Auftritt Höckes negativ. In einem Rundschreiben an alle Mitglieder wurde dieser am Mittwoch von AfD-Chefin Frauke Petry sogar gerügt. Man fühle sich "vom derzeitigen Stil des Auftretens" Höcke nicht vertreten. Dieser dürfe für den Landesverband, aber nicht für die Bundespartei sprechen.

Viele in der AfD haben sich über den 43-jährigen Oberstudienrat geärgert. "Er ist jenseits der Linie dessen, was ich akzeptabel finde", sagte der Hamburger AfD-Fraktionschef Jörn Kruse der "FAZ". Höckes Reden seien "unsäglich". Andere Parteifunktionäre bewerteten dessen Auftritt bei Jauch als "peinlich" und "unprofessionell". Norbert Kleinwächter, ein Kreisvorsitzender aus Brandenburg, schrieb sogar eine Mail an den AfD-Bundesvorstand. Darin beklagt er, Höcke habe sich "aggressiv" und "völkisch-national" präsentiert.

Lob von Gauland

Kleinwächter forderte, der Parteivorstand solle entweder ein Parteiordnungsverfahren gegen Höcke einleiten, sich öffentlich von ihm distanzieren oder die Partei über seine Positionen abstimmen lassen. Die AfD-Spitze um Petry will sich am Freitag mit dem Thema befassen. Als möglich gilt ein Beschluss, der Darbietungen wie die von Höcke bei Jauch künftig verhindern soll. Der Thüringer Fraktionschef dürfte sich dann zwar in Medien auf Landesebene äußern. Für Auftritte in der ARD würde er dann die Zustimmung der Parteispitze benötigen.

Ob Petry einem AfD-Landeschef den Mund verbietet? André Poggenburg, der Mitglied im Vorstand ist und wie Höcke dem rechten Parteiflügel angehört, bewertet dessen Auftritt als "sehr positiv". Über einen möglichen Beschluss des Vorstands sagte er der "FAZ": "Wer jetzt anfängt, hier Maulkörbe zu verpassen, der schlägt eine Richtung ein, die auf keine gute Resonanz in der AfD treffen wird". Unterstützung erhielt Höcke auch vom brandenburgischen AfD-Chef Alexander Gauland. Er halte Höcke für einen "sehr klugen Mann" und er sehe nicht, dass "Höcke eine andere Meinung vertritt als wir", sagte er.

Einen kleinen Rückschlag erlitt Höcke am Mittwoch. Bei seiner fünften Demonstration in Erfurt kamen nur 4000 Demonstranten und damit nur halb so viele wie in der Vorwoche. Höcke, der nach eigenen Angaben Morddrohungen erhielt und eine kugelsichere Weste trug, sprach vor einem dunklen Erfurter Dom. Aus Protest gegen die Veranstaltung hatte das Bistum die Beleuchtung ausgeschaltet. In den kommenden Wochen will Höcke in Erfurt wieder auf die Straße gehen. Eigentlich sollte auch Parteichefin Petry kommen, doch die sagte ihre Teilnahme ab.

Quelle: n-tv.de, cro

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